in frogg hall

14
Mai
2008

Mein Kleiner

Es ist weit herum bekannt, dass kinderlose Menschen sich ein Ersatzobjekt zum Hätscheln, Hegen und Pflegen suchen. Verbreitet ist etwa das Klischee vom gut situierte Ehepaar mit dem flauschigen Golden Retriever. Auch meine Freundin Helga hat Ersatzkinder: Ihr laufen immer wieder herrenlose, halb verhungerte Katzen zu, die sie jeweils hingebungsvoll aufpäppelt. Wir Single-Mittdreissigerinnen von Brav und Bieder hatten in den neunziger Jahren sogar unseren eigenen Witz über dieses Thema: In den Kiosken unserer Pendelbahnhöfe sahen wir das Buch Nicht ohne meine Tochter herumstehen und fanden, bei uns würde ein solches Buch "Nicht ohne meine Zimmerpflanze" heissen. Denn wir hatten weder Zeit für Hunde noch für Katzen. Und schon gar nicht für Töchter. Aber wir hatten wenigstens Zimmerpflanzen.

Später hat die Frogg dann die Pflege ihrer Zimmerpflanzen Herrn T. überlassen. Und das Kinderkriegen liess sie auch bleiben. Aber jetzt hat sie einen neuen Schützling. Den hier:

baum

Herr T. entdeckte ihn neulich in einem Topf voller wild gewordener Pfefferminze auf unserem Balkon. Ihm fielen die grossen Keimblätter des Pflänzchens auf (sie sind im Bild noch als dürre Anhängsel zu sehen). "Was ist denn das?" fragte er.

"Das könnte ein Baum werden", sagte die Frogg. Doch was für einer? Das wusste sie nicht.

Ihre Neugier aber wuchs mit der kleinen Pflanze und sie konnte nicht aufhören, laut über sie nachzudenken. Bis Herr T. sagte: "Wenn Du wirklich wissen willst, was das wird, musst Du es ausgraben. Sonst wird unsere Pfefferminze es verdrängen." Denn Herr T. hatte gelernt: Die Pfefferminze in unserem Balkontopf ist ein fremdenfeindliches Gewächs. Es hat schon Basilikum und Schnittlauch und allerhand Unkräuter aus dem Topf geekelt, und sogar Moos. Nur Löwenzahn ist ihm gewachsen.

Also topfte ich den Kleinen um und gebe ihm seither tüchtig Wasser und etwas Dünger. Und ich streichle ihn mindestens zehnmal am Tag mit liebevollen und neugierigen Blicken. Ich kann kaum erwarten zu wissen, was einmal aus ihm wird. Die Hoffnung, dass er zu einer stattlichen Eiche herananwächst, habe ich aufgegeben, als ich die zwei neuen Blätter sah. Wenigstens wird er auch keine Brennnessel, dazu ist der Stamm schon zu verholzt.

Aber was dann? Eine Zimmerlinde? Eine Haselnussstaude? Doch noch ein Brombeerstrauch?

Ich fürchte bereits, dass er mich enttäuschen wird: Dass aus ihm eines dieser unscheinbaren, strauchartigen Gewächse wird, die wie holziges Unkraut unter Hecken wachsen. Die nicht blühen und keine Früchte tragen und jeweils im Frühling von einem scheusslich heulenden Heckenmäher weggefräst werden.

Falls er das wirklich wird... Was soll ich dann mit ihm machen?

1
Mai
2008

Urlaubsbilanz

Nach drei Monaten Urlaub fühle ich mich wieder mehr wie ein Mensch als wie ein angedörrtes Nachtschattengewächs. Ich habe mir fest vorgenommen, dafür zu sorgen, dass es auch so bleibt.

8
Apr
2008

Ein grosser Moment

Vor rund einer halben Stunde habe ich den ersten Entwurf meines Krimis fertiggestellt.

Aber gratuliert jetzt lieber noch nicht. Ian Rankin macht bei seinen Büchern sechs Entwürfe (!!!) Und ich weiss immerhin schon, dass meine Arbeit, glaube ich, eben erst begonnen hat.

Aber dennoch: So weit bin ich noch nie mit einer so langen Geschichte gekommen. 96 Seiten...

6
Mrz
2008

Eine Seite füllen

Endlich weiss ich, wie es ist, an einem Buch zu arbeiten. Es ist... nein, ich kann es gar nicht beschreiben. Ich lasse ausnahmsweise einen Könner sprechen:

"Man steht morgens voller Angst auf, weil man keine Ahnung hat, wie man eine bestimmte Szene schreiben soll. Am Abend hat man eine Seite gefüllt und fühlt sich grossartig*. Nicht wegen dessen, was in der Szene geschieht, sondern, weil man diese eine Seite geschafft hat." (Philip Roth im TagiMagi vom 8. Februar).

* Ich muss allerdings sagen, dass ich mich am Abend nicht immer grossartig fühle. Manchmal fühle ich mich auch einfach hundemüde. Oder von mindestens vier Sorten Zweifeln sowieso ihren Unter-, Seiten- und Nebenzweifeln zernagt. Und ich verstehe endlich Hunter S. Thompson's Bemerkung über Schreiben und Sex.

Aber manchmal, doch, manchmal fühle ich mich am Abend grossartig. Oder jedenfalls gar nicht so schlecht.

7
Feb
2008

Krimi oder Blog?

Dank meinem Urlaub, das wusste ich schon letzte Woche, würde ich endlich Zeit zum Schreiben haben. Aber was sollte ich schreiben? Sollte ich endlich an meinem Krimi weiterbasteln? Oder sollte ich an meinen Blog-Projekten arbeiten? Ich fühlte mich hin- und hergerissen wie Susan Mayer aus "Desperate Housewives" zwischen ihren zwei Ehemännern in spe: Hier Mike, der geheimnisumwitterte Klempner mit den einschlägigen Vorstrafen, den sie schon lange liebt. Dort Ian der kluge, witzige und steinreiche Verleger, der sich irgendwie in ihr Leben gedrängt hat.
Hier der Krimi, an dem ich seit anderthalb Jahren nage. Wobei mich immer wieder Hörstürze und Arztbesuche von der Arbeit abgehalten haben. Im Grunde ein hoffnungsloses Projekt, sagt Buchautor T. Ich wäre nie fleissig genug, ein Buch zu schreiben, sagt er.
Da meine Blogs, auf die ich ganz süchtig bin. Aber ehrlich: Kann einen so etwas wie bloggen drei Monate lang ausfüllen? „Nur bloggen?“ sagte Herr T. neulich „Da würdest Du Deinen wertvollen Urlaub aber sehr ineffizient nutzen!“
Und er hat recht. Und doch…
Nun ja. Am letzten Freitag hatte ich dann endlich die Inspiration, die ich brauchte: Beim Aufstehen nach dem Mittagsschläfchen vor meiner letzten Spätschicht sah ich das Wauwilermoos vor mir. Eine Landschaft so flach und melancholisch wie der Boden einer alten Bratpfanne. Eine Landschaft, deren Geschichte in meinem Krimi eine zentrale Rolle spielt. Und ich wusste: Ich will dorthin zurück.
Deshalb mache ich jetzt gerade beides: Ich arbeite an meinen Blogprojekten und meinem Krimi.

5
Feb
2008

Richtig Urlaub

Freunde, die Frogg hat Urlaub. Ich meine: richtig Urlaub, drei Monate lang. Dies hier ist der zweite Tag. Wieso man drei Monate Urlaub macht, wenn man keine Weltreise oder wenigstens einen, zwei Monate trampen in Patagonien vorhat? Nun: Nach den Hörstürzen im letzten Herbst hatte ich Panik. Ich war kaputt. Ich wusste: Ich muss etwas tun. Mit heftigem Cortisonherzklopfen ging ich zum Chef und bat um eine Auszeit. Um mich einmal richtig zu regenerieren. Um herauszufinden, wie es mit meinem Leben weitergehen soll.
Mein Chef sagte ja, und hier bin ich also und habe Urlaub. Alles ganz wunderbar. Es geht mir gut.

Nur ein kleines Problem hat die gute Frogg: Sie hat das Gefühl, dass jetzt etwas wirklich Tolles passieren muss. Eine Veränderung. Eine Erleuchtung. Irgend so etwas.

1
Feb
2008

Fasnacht: Tim der Bär

Bevor Veronika gestern zum Fasnachtsumzug ging, ist sie mit den Kindern zu mir zum Mittagessen gekommen. Schliesslich ist ihr Kleinerer, Tim (bald 3), mein Göttibub, und ich soll sehen, wie er sich als Bär macht.

So schöpfe ich allen Reis und Sauce und schaue Veronika zu, wie sie Lisa Sirup eingiesst und dafür sorgt, dass sich Tim nicht schon wieder die Bärenschminke wegwischt. Ich schaue die Fasnachtsgwändli an, die die Kinder auf den Boden geworfen haben, und ganz langsam zieht denke ich etwas höchst Merkwürdiges: dass das Älterwerden wird leichter wird, wenn man weiss, dass allmählich eine Generation nachwächst, die uns so vieles abnehmen wird. Zum Beispiel die Fasnacht.

3
Dez
2007

Schweizer Hit

Soeben ist "Dr Schacher Seppli" von Ruedi Rymann am Schweizer Fernsehen zum grössten Schweizer Hit gekürt worden. Da kann es die Frogg nicht lassen, Euch ihr eigenes Werklein über diesen offenbar unverwüstlichen Song zu kredenzen. Hier.

25
Jul
2007

Potter hinter Schloss & Riegel

Im Hause Frogg herrscht ein eigentlicher Potter-Kult: Wenn ein neuer Band auf Englisch erscheint, kaufe ich ihn jeweils früh und lese ihn dem Herrn T. vor. Wir haben schon am letzten Samstag angefangen und sind bei Chapter 18. Dafür ruhen all unsere anderen abendlichen Tätigkeiten. Sprich: Wir sehen viel weniger fern, und ich blogge noch weniger. Nun ja. Es ist Sommer. Sowieso niemand da. Und es ist der letzte Harry Potter. Man muss ihn geniessen.

Nur, unser Kult hat seine Schwächen: Ich bin schon ein bisschen heiser, und Herr T. droht, mir über Nacht MEIN Harry Potter-Buch wegzulesen. Heute Abend habe ich Abenddienst. Ich werde das Buch in meinem Zimmer einschliessen müssen.

Wie ich den Wälzer finde? Das lasse ich Euch später wissen.

Immerhin habe ich ab und zu ein wenig Zeit, philologische Potter-Studien zu treiben. So bin ich der Frage nachgegangen, an wen Rowling dachte, als sie den Namen Bathilda Bagshot erfand. Ich kam auf Walter Bagehot. An eminent man in politics und ein Mann mit Witz.

23
Sep
2006

Abidjan

Die abgewiesenen Flüchtlingsfamilien von Frösch verbringen ihre Zeit in einer Unterkunft neben der Kehrichtverbrennung. Bevor sie ausreisen, natürlich. Sie bekommen Nothilfe, 5 Franken im Tag.

Naja, sagt der Tiger, das ist immer noch besser, als neben den Kehrichthaufen von Abidjan zu leben und gar nichts zu bekommen, oder?
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