kulinarische reisen

3
Dez
2016

Messerlis Finger

Neulich setze ich mich zum Mittagessen in der Cafeteria zum Kollegen Messerli - er ist in Begleitung einer jungen Frau, die er mir als die Praktikantin Diana vorstellt.

Messerlis Ehefrau kocht gerne, und so bringt er sein Mittagessen oft von zu Hause mit. Heute hat er rohes Gemüse dabei, das er in eine Dip-Sauce taucht. Diese hat ungefähr die Farbe und Konsistenz von etwas zu flüssiger Erdnussbutter. Bald ist das Gemüse alle. Vom Dip dagegen ist noch eine Menge da. Das Sösseli scheint schmackhaft zu sein. Denn während Messerli mit seiner üblichen Leichtigkeit konversiert, taucht er bald den Finger tief in das durchsichtige Plastikgefäss, führt ihn mit erdnussbuttriger Last zum Mund, steckt ihn hinein und leckt ihn genüsslich ab. Das tut er, bis im Plastik nur noch ein paar schleimige Reste übrig sind - und dann tut er es wieder. Zweimal, dreimal, viermal. Ich glaube, er merkt gar nicht, was er tut.

Ich lasse bei Leuten, die gut plaudern, gerne puncto Tischmanieren die Fünf gerade sein. Man ist ja selber nicht perfekt. Aber Messerlis Gelecke ekelt mich doch ein bisschen. Und als ich Diana einen Seitenblick zuwerfe, sehe ich, wie sie angewidert die Mundwinkel nach unten zieht. Die jungen Leute sind ja in solchen Dingen noch viel heikler als wir Endvierziger.

Es ist an mir, Messerli zu stoppen. Diana wird es nicht tun, dafür hat sie hier zu wenig zu melden. Ich bin die ältere und theoretisch im Besitz von genügend Autorität. Aber ich winde mich. Um ehrlich zu sein: In solchen Momenten fehlt es mir an Fingerspitzengefühl und Zivilcourage. Ich meine: Man muss bei einer solchen Sache locker und fröhlich bleiben, sie zur Sprache bringen, als ob sie eine amüsante Kleinigkeit wäre. Sonst erreicht man nicht, was man erreichen will und riskiert eine blöde Retourkutsche. Und mit blöden Retourkutschen bin ich nie besonderes gut gewesen.

Messerlis durchsichtige Plastikgefäss hat schon fast ein speichliges Loch von Messerlis Finger, als ich endlich locker und fröhlich herausbringe: "Hör auf damit, Messerli, es ist ja nichts mehr da!"

Hat es funktioniert? Ja, hat es. Zum Glück.

Dies ist ein neuer Beitrag zu Dominik Leitners famosem Projekt *txt. Gewissermassen in letzter Sekunde habe ich noch etwas zum elften Wort, "Fingerspitzengefühl" hinbekommen

20
Okt
2015

Mhmmm ... Cupcakes!!!


Sooo appetitlich! Zugreifen oder nicht?

Du sollst keinen Zucker essen, sagen die Ärzte; Zucker macht übergewichtig und diabetisch

Du sollst kein Fett essen, sagen die Ärzte, denn Fett macht fett

Du sollst übrigens auch kein Fleisch essen, sagen die Tierschützer, denn Massentierhaltung ist entsetzlich

Du sollst das Leben geniessen, sagt Tante Dora, Du wirst sonst krank

Du sollst keine Milchprodukte, kein Weizenmehl und keine Südfrüchte essen, sagt der Heil-Guru, dann bekommst Du Deine Menière-Erkrankung in den Griff

Du sollst möglichst wenig Salz zu Dir nehmen, sagen die Ärzte, auch das hilft gegen Menière

Du sollst übrigens einmal pro Woche Fisch essen, wegen der Omega-3-Säuren, sagt der Experte

Du solltest das Leben geniessen, sagt Tante Dora, Du wirst sonst krank

Du sollst Heidelbeeren essen, sagt der Ernährungs-Experte, die sind gesund

Du sollst nur saisongerechtes Gemüse und saisongerechte Früchte essen, sagt der Bio-Freak, - Heidelbeer-Saison ist im August

Du sollst keinen Fisch essen, die Meere sind überfischt, sagt der Ökologe

Du solltest das Leben geniessen, sagt Tante Dora, Du wirst sonst krank

Du sollst genug Eiweiss zu Dir nehmen, sagt die Diät-Expertin. Kein Wunder, dass Du immer müde bist, wenn Du nur Gemüse und Reiswaffeln isst

Eiweiss hin oder her - so lange ich in diesem Haushalt etwas zu sagen habe, sollst Du sollst keins von diesen widerlichen Soja-Produkten kaufen, sagt Herr T

Du sollst nicht so viel über das Essen nachdenken, das ist doch dekadent.

Das hier ist mein Beitrag zum Projekt *txt. Danke für die Inspiration, Dominik! Das vierzehnte Wort lautet "Gewissen". Quelle für das Bild oben: kinsalegourmetacademy.com)

4
Jan
2015

Mandelmilch

Über den Jahreswechswel hatten wir englische Freunde zu Besuch. Wir nennen sie die Hooligans - was allerdings irreführend ist. Unsere Hooligans sind ein liebenswürdiges Paar mit sehr moderatem Interesse an Fussball.

Kurz vor ihrer Ankunft liess uns Herr Hooligan wissen, Frau Hooligan könne zurzeit keine Milchprodukte zu sich nehmen. Magenprobleme. Zum Frühstück möge sie Mandelmilch.

Ich machte mich umgehend auf die Suche. Ich war nicht sicher, ob ich welche finden würde. Ich habe wegen meiner Ohren selber schon allerhand merkwürdige Diäten ausprobiert, auch solche ohne Milch. Was man nicht alles tut aus Verzweiflung! Damals, in den nuller Jahren, waren solche Kuren etwas für Öko-Freaks. Für Körnlipicker, die Kuhmilch nötigenfalls mit flüssigem Getreide in bräunlich-grünlichen Verpackungen ersetzten. Also mit Hirse- oder Hafermilch. Oder mit Reismilch. Oder meinetwegen mit Soyamilch.

Aber Mandelmilch - das klingt very ladylike. Es kling auch fett- und damit so kalorienreich, dass die Frau von heute wohl besser nicht ihren Gaumen damit verwöhnt. Sondern ihre Haut. So wie sie ihre Lippen mit Kokosfett - pardon - -Aroma pflegt. Oder ihre hat mit Körperbutter aus Olivenöl. Oder mit Duschgel aus Sahne und Honig.

Aber siehe da - ich fand Mandelmilch im Reformhaus, nicht weniger als drei Sorten: mit Zucker, ohne Zucker und Mandel/Reismilch. Alle für den Gaumen. Nicht für die Haut.



Neugierig studierte ich die Verpackung der ungezuckerten Mandelmilch. Ich muss hier betonen: Wer denkt, Mandelmilch bestünde nur aus Mandeln, der irrt. Die abgebildete Mandelmilch besteht aus Mandeln, Maisstärke, Maltodextrin, Agave und Meersalz. Dafür ist sie recht fettarm und hat nur 48 Kalorien. Alles bestens.

Es folgten vier glückliche Tage mit den Hooligans - und ein kulinarisches Cabaret im Fünfsternrestaurant. Denn nicht nur Frau Hooligan hat ihre Diätvorschriften. Herr Hooligan ist allergisch auf Fisch. Und Frau Frogg hatte auch noch eine Extrawurst.

Probiert habe ich Frau Hooligan's Mandelmilch dann auch irgendwann. Sie schmeckte ... hm ... nach Agave, schien mir.

12
Okt
2014

800 Kalorien

Die Helfer dieser Welt sind zurzeit masslos überfordert, auch finanziell. Kürzlich hiess es bei uns am Radio, das UNO-Welternährungsprogramm müsse jetzt die Essensrationen für Syrien-Flüchtlinge kürzen: Fortan bekämen sie nur noch 800 Kalorien. Das sind etwa zwei Handvoll Haferflocken, heisst es. Betroffen sind vier Millionen Menschen. Es fehlt Geld für mehr.

Hier der ganze Bericht.

Am Tag nach dieser Meldung brach die Froggs zu einem opulenten Familientreffen in einem Viersternhotel im Südtirol auf. Jedes von uns nahm dort - vorsichtig geschätzt - zwischen 2500 und 3000 Kalorien täglich zu sich.

Ich weiss, es ist Miesmacherei. Aber die Meldung hat mich verfolgt. Seit den Schlankheitskuren meiner Teenager-Jahre weiss ich, wie viel 800 Kalorien sind: zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben. Der Magen ist hohl. Fahrradpedalen leisten den Beinen doppelt so viel Widerstand wie normal. Rennen? Eine Zumutung. Man würde am liebsten nur daliegen - aber dann würde der Kreislauf schlappmachen, und das Elend wäre komplett.

Mit einer merkwürdigen Mischung aus Dankbarkeit und schlechtem Gewissen betrachtete ich beim Essen unsere reich gedeckte Tafel - all die Schlutzen und Knödel und das Entrecôte. Vor dem Essen gingen wir jeweils ins hoteleigene Bad. Und meine 13-jährige Nichte entdeckte das Laufband im Fitnessraum. Laufen liegt ihr, sie gewinnt zu Hause immer das Schulhaus-Rennen, notfalls barfuss. Wir nennen sie deshalb manchmal auch liebevoll den Usain Bolt vom Lindenberg. Durch das Fenster des Fitnessraum sah ich ihr entrücktes Gesicht auf- und abwippen.

Einmal sagte sie: "Ich gehe jetzt laufen, damit ich nachher ohne schlechtes Gewissen so viele Kalorien essen kann."

20
Aug
2014

Englischer Käse


Käseplättchen aus Keswick - mit Ziegenkäse im Aschemantel, einem Blue Stilton und rotem damson condiment.

Weniger käsebesessene Leser bitte ich um Nachsicht für meine Käse-Obsession in den Ferien. Ich habe den Verdacht, dass man uns hier in der Schweiz etwas in die geronnene Milch mischt, was süchtig macht. So sind wir auch im Ausland immer wie besessen auf der Suche nach geniessbaren Käseerzeugnissen - und grässlich enttäuscht, wenn wir nichts vorfinden, was unsere Sucht befriedigt.

Auch in England verlangte mein Magen schnell nach Käse. Und zum Glück gibts ja in England im Supermarkt eine schier endlose Käse-Vielfalt: Es gibt weissen, gelben, ja, orangen Cheddar. In Irland gibt es sogar grünen Cheddar.

(Quelle: www.igourmet.com)

Den gibts in England nicht. Dafür gibt es dort gemahlenen und gescheibelten Cheddar und auch Cheddar am Stück - reif, weniger reif und mit wenig, mittelviel oder normal viel Fett.

Nun, nichts gegen Cheddar. Ein würziges, vollreifes Stück Cheddar kann unter meinem Gaumen problemlos mit einem anständigen Greyerzer mithalten. Und doch war ich überglücklich, als Herr T. mich nach einer Woche im Vereinigten Königreich auf dem Samstagsmarkt von Keswick an einen opulent ausgestatteten Käsestand zerrte.

Ich freute mich nicht nur über den Käse, sondern auch über den Käsehändler - weil er mit seiner dröhnenden Stimme auch gleich meine Schwerhörigkeit übertönte. Ich traute mich sogar, ihm ein paar Fragen zu stellen. Es gab dort auch eine Art roten Gelee, wohl aus Obst, namens damson condiment.

"Whats damson?" fragte ich.

"Damsons är ä mixtscherr between a plomm and a slooo", sagte er. Die merkwürdige Lautung verdankte sich diesmal nicht meiner Taubheit, sondern seinem nordenglischen Dialekt. Niemand kann seinen Mund so herzhaft um Vokale und Konsonanten herumdrapieren wie die Menschen von Liverpool an nordwärts. So schön. Damsons sind also eine Mischung aus Pflaume und, ähm, "what's a sloe?" fragte Frau Frogg.

Ömmm.

Wir einigten uns darauf, dass damson eine Pflaumenart sei. Dann kauften Herr T. und ich eine Scheibe von dem Zeug.

Wir müssten es mit kräftigem Fleisch essen, sagte er. "Venison or pheasant." Wild oder Fasan? Fasan?! Fasan auf den Tisch zu bekommen - das war nun für uns Käseschweizer doch eine merkwürdige Vorstellung.

"And where can we get some pheasant?" fragte Herr T. in vollster Überzeugung, dass er dafür zuerst eine längere telefonische Verhandlung mit dem Chefkoch des örtlichen Landgrafen führen müsste.

"Oh, gleich um die Ecke. Da unten gibts einen Fleischstand. Die haben auch Fasan", sagte der Käsehändler.

Aber wir assen den Gelee dann doch mit Käse. Ganz ausgezeichnet!

Wieder zu Hause habe ich dann noch "damson" gegoogelt - es handelt sich um eine Kriechen-Pflaume. Das hatten wir doch auch schon! Frau Walküre und Herr Jossele erinnern sich bestimmt! Und "a sloe" ist eine Schlehe.

11
Mai
2014

Das perfekte Omelett

Ich bin eigentlich von meinem Wesen her zu ungeduldig für Omeletts. Meistens wende ich sie zu früh. Dann fallen sie auseinander und werden zu Rühreiern. Schmecken tun sie dann trotzdem. Aber ich esse sie immer mit dem Gefühl, eine miserable Köchin zu sein.

Gestern war ich wieder einmal stocktaub. Ich hatte auch noch das Hörgerät herausnehmen müssen - weil es heiss war und ich die Fenster offen lassen musste und draussen irgendein Saulärm herrschte. Ein Mittagessen musste ich mir trotzdem zubereiten. Ich war Strohwitwe. Über die zweifelhaften Freuden des Kochens als Ertaubte habe ich hier ausführlicher berichtet. Ein wichtiger Aspekt bei mir: Mein Gehör schwankt stark - typisch Menière. Wenn ich etwas tue, bei dem man das Gehör braucht, muss ich mich zurzeit täglich neu arrangieren.

Um es mir nicht zu schwierig zu machen, machte ich ein Omelett mit Salat. Ich goss die Eier in die Pfanne und begann den Salat herzurichten. Ich gestehe, ich war etwas zerstreut. Erst nach fünf Minuten ging mir durch den Kopf: Eigentlich müsste das Omelett jetzt langsam zu brutzeln beginnen - nur leise, aber ihr wisst schon: dieses unverkennbare Ziehen, das alle Dinge in einer heissen Bratpfanne von sich geben. Ich schaute in die Pfanne, und, meine Güte: Das Ding war schon zu drei Vierteln durch. Ich musste es schnellstens wenden. Es gelang mir sogar, das Ding am Stück zu wenden.

Es wurde perfekt.


(So sah sie aus, aber das Bild ist von http://archive.sat1.de)

Jetzt noch mein Omeletten-Rezept (für alle, die diese Seite mit dem Suchwort "perfektes Omelett" ergoogelt haben:

Pro Person:

2 Eier
2 Esslöffel Wasser
Salz, Pfeffer, Paprika, provenzalische Kräutermischung
nach Belieben ein Esslöffel Reibkäse

Alles verrühren, bis es schäumt. Öl heiss machen, dann die Eier zugeben und den Teig bei nicht zu grosser Hitze gerinnen lassen, bis die Unterseite reissfest ist. Dann mit einem breiten Schaber wenden.

8
Sep
2013

Merkwürdige Sitten

Kürzlich lud meine tamilische Nachbarin Mahika Herrn T. und mich zu einem Tandoori Chicken ein. Was für ein Fest, nur schon für die Augen! Der ganze Tisch war voll von kleinen Schüsseln mit Gemüse: Karotten und Fenchel in Kokosmilch, Kohlgemüse, Spinat mit einem Hauch Kreuzkümmel, dazu Reis - und dann das Hühnchen! Ein Gedicht!

Natürlich gab ich am nächsten Tag bei drei Kollegen damit an. Ich erwähnte dummerweise auch, dass das Dessert nicht ganz mein Fall gewesen war: frittierte Teigbällchen mit einer Frischkäsefüllug - Zigerkugeln nicht unähnlich, aber mit reichlich Zuckersirup übergossen. Für den westlichen Gaumen eine Spur zu süss, eine Spur zu nahrhaft.

"Na, dann hättest Du es doch nicht essen müssen!" sagten die drei, zwei von ihnen Mamas Küche kaum entwachsen, alle drei sportliche, schmale Würfe. "Niemand muss eine Nachspeise essen, wenn er keine Lust drauf hat!" Das fanden die drei ganz selbstverständlich.

Ich war sprachlos. Ist da in den Nullerjahren ein neues Kapitel Knigge an mir vorbei gegangen? Nie würde ich bei einem Gastmahl einen Gang ausschlagen! Erst recht nicht, wenn ich sehen kann, dass die Köchin mindestens drei Stunden in der Küche verbracht hat, um ein festliches Essen herbeizuzaubern!

Die spinnen, diese jungen Männer!

24
Jul
2013

Im Schlaraffenland

Auf unserer Deutschland-Reise fühlte ich mich ein bisschen wie im Schlaraffenland. Oder wie in Gulliver's Reisen. Die Portionen in den Gaststätten sind dort meist viel grösser als jene in der Schweiz - manchmal riesig. Beim Gemüsehändler in Bad Schandau kauften wir Aprikosen so gross wie Pfirsiche. Und sogar die Schweine sind im Grossen Kanton grösser als in bei uns. Jedenfalls erwarben wir einmal beim Fleischer zwei Koteletts für eine Mahlzeit zu zweit. Aber wir stellten bald fest, dass ein solches Kotelett easy für uns beide reichte.

Es war ähnlich wie in den USA. Dort ist ja auch alles doppelt so gross wie bei uns. Nur schmeckt das Essen in Amerika immer fad. Als wäre dort gleich viel Aroma drin wie bei uns - nur einfach auf mehr Volumen verteilt. Aber in Deutschland schmeckt das Essen meistens tiptop, oft sogar ausgezeichnet.

Und dann ist ja auch alles so viel billiger als bei uns.

Ich hätte mich wohl nicht mehr mit unserer heimischen Gastronomie versöhnt, wenn wir in Sachsen nicht etwas unglücklich über den Käse gewesen wären. Ich meine: Wenn Gouda nicht so rezent ist, dann ist das halb so schlimm und manchmal sogar genau das Richtige. Aber wenn man zur Abwechslung Tilsiter kauft und er auch wie Gouda schmeckt - dann stimmt etwas nicht.

Und endlich gibts bei uns jetzt auch wieder Seetaler Chlepfer - das sind Kirschen so gross wie Aprikosen. "Chlepfe" oder "chlöpfe" heisst bei uns knallen - und das hat durchaus etwas Lautmalerisches. Die Kirschen sind nicht nur gross, sondern zum Bersten prall und wunderbar süss.

6
Jul
2013

Berner Würstchen

An jenem Grillabend bei Frau Punctum in Dresden landete eine merkwürdige Wurst auf meinem Teller. Sie sah aus wie eine Kreuzung zwischen einem Wienerli und einer Cervelat - umwickelt mit Speck und gefüllt mit Käse: "Das ist ein Berner Würstchen", behaupteten unsere sächsischen Freunde.


(Quelle: autoimg.kochbar.de)

Schön und recht - aber ich hatte sieben Jahre in der schweizerischen Hauptstadt Bern gewohnt und dort nie ein solches Würstchen gesehen.

Allerdings hatte ich an einem regnerischen Tag des Herbstes 2004 in einem Kaffeehaus in Wien bereits erste Bekanntschaft mit so genannten Berner Würstchen gemacht. Sie standen auf der Speisekarte, und ich fragte den Kellner, was das denn sei. Das werde ich schon sehen, sagte dieser in indigniertem Ton. Ich war erstaunt - ich war gerade angekommen und wusste noch nicht, dass Kellner in Wien von Natur aus indigniert sind.

Nach schier endloser Wartezeit stellte er mir einen Teller mit einem schrumpeligen Pärchen Wienerli auf den Tisch. Ob da Speck und Käse war, weiss ich nicht mehr. Das waren also die Berner Würstchen! "Wahrscheinlich hatten die Wiener einfach dumme Witze über ihre Würstchen satt und haben sie kurzerhand verschweizert", dachte ich.

Erst Google hat mich über meinen Irrtum aufgeklärt: Berner Würstchen sind nach ihrem Erfinder benannt, der Erich Berner hiess und im österreichischen Zell am See eine Gaststätte hatte.

Wir Schweizer sollten nicht immer alles so persönlich nehmen!

29
Jun
2013

Gastmahl des Meeres

Wir Schweizer glauben ja, unser Hochdeutsch sei in etwa gleich wie jenes der Deutschen - mal abgesehen vom Akzent, der uns in Deutschland sehr schnell verrät. Die Deutschen mokieren sich gern ein bisschen über diesen Akzent. Umgekehrt begegneten uns in Deutschland immer wieder sprachliche Phänomene, die wir in der Schweiz nicht kennen - und über die wir staunen. Oder über die wir uns ein bisschen mokieren. Jedenfalls machen sie uns klar, dass Deutschland eben doch anders ist als die Schweiz. Bald begann ich solche Wendungen zu sammeln und nannte sie Wörter des Tages. Gelegentlich waren es solche aus der ehemaligen DDR - aber nicht nur.

Herr Punctum lieferte das erste, als wir an unserem ersten Abend auf Fische zu sprechen kamen: Gastmahl des Meeres. So hiess in der DDR ungefähr das, was in der Schweiz heute pragmatisch, etwas protzig und Neudeutsch "Seafood Restaurant" heisst. Dagegen hat "Gastmahl des Meeres" etwas berührend Poetisches, ja Philosophisches. Waren doch Gastmähler die ganze westliche Kulturgeschichte hindurch Zusammenkünfte, bei denen Geist, Genuss und Gemeinschaftssinn sich - im besten Fall - zu einem kostbaren Ganzen verbanden. Dass solche Erlebnisse nicht der Intelligentsia vorbehalten sein sollten, finde ich im Grunde nicht verwerflich.



Allerdings scheint das Resultat gastronomisch nicht über jeden Zweifel erhaben gewesen sein, wie dieser Beitrag nahelegt. Offenbar lässt sich auch Gastlichkeit nicht staatlich verordnen. Hier und hier noch mehr über das Gastmahl des Meeres.
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@ araxe
da ist wohl der interpretiergaul mit mir durchgegangen.
bonanzaMARGOT - 15. Mai, 07:31

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Zuletzt aktualisiert: 11. Jun, 11:35

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