6
Jul
2013

Berner Würstchen

An jenem Grillabend bei Frau Punctum in Dresden landete eine merkwürdige Wurst auf meinem Teller. Sie sah aus wie eine Kreuzung zwischen einem Wienerli und einer Cervelat - umwickelt mit Speck und gefüllt mit Käse: "Das ist ein Berner Würstchen", behaupteten unsere sächsischen Freunde.


(Quelle: autoimg.kochbar.de)

Schön und recht - aber ich hatte sieben Jahre in der schweizerischen Hauptstadt Bern gewohnt und dort nie ein solches Würstchen gesehen.

Allerdings hatte ich an einem regnerischen Tag des Herbstes 2004 in einem Kaffeehaus in Wien bereits erste Bekanntschaft mit so genannten Berner Würstchen gemacht. Sie standen auf der Speisekarte, und ich fragte den Kellner, was das denn sei. Das werde ich schon sehen, sagte dieser in indigniertem Ton. Ich war erstaunt - ich war gerade angekommen und wusste noch nicht, dass Kellner in Wien von Natur aus indigniert sind.

Nach schier endloser Wartezeit stellte er mir einen Teller mit einem schrumpeligen Pärchen Wienerli auf den Tisch. Ob da Speck und Käse war, weiss ich nicht mehr. Das waren also die Berner Würstchen! "Wahrscheinlich hatten die Wiener einfach dumme Witze über ihre Würstchen satt und haben sie kurzerhand verschweizert", dachte ich.

Erst Google hat mich über meinen Irrtum aufgeklärt: Berner Würstchen sind nach ihrem Erfinder benannt, der Erich Berner hiess und im österreichischen Zell am See eine Gaststätte hatte.

Wir Schweizer sollten nicht immer alles so persönlich nehmen!

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Kulturflaneur - 6. Jul, 18:46

Quelle surprise!

acqua - 6. Jul, 22:26

Sie meinen den letzten Satz, Herr K.? Der ist ganz grosses Tennis.
(Mein erster Gedanke zu Beginn des Textes war ja: Warum sollte es in der sächsischen Schweiz keine Berner Würstchen geben?)
diefrogg - 7. Jul, 14:52

:))

Das ist aber ein Kompliment an einen Tennis-Muffel wie mich! Mamma mia!

Ohne jetzt allzu sehr für Herrn K. sprechen zu wollen: Ich vermute, er meint den Herrn Berner.

Übrigens assen (...ähem) aßen wir die Berner Würstchen nicht in der sächsischen Schweiz sondern eher nördlich von Dresden. Es gibt sie bestimmt auch in der sächsischen Schweiz.
nömix - 7. Jul, 08:48

Die Wiener sind den Schweizern durchaus wohlwollend gesonnen (was nebenbei, wie mir scheint, nicht auf Gegenseitigkeit beruht – bei meinen zahlreichen Aufenthalten in der Schweiz machte ich häufig die Erfahrung, dass die Schweizer uns Österreicher anscheinend für bissel zurückgebliebene Hinterwäldler halten, quasi eine Art geländegängige Ostfriesen ;)
Der traditionsreichste und populärste Wiener Biergarten ist übrigens das Schweizerhaus im Prater. (Heißt so, weil dort ehemals ein Forsthaus der kaiserlichen Wildhüter stand, welche Schweizer waren. Schweizer Gastarbeiter in Österreich, bemerkenswert – mittlerweile verhält sichs bekanntlich umgekehrt.)
Dass Wiener Kellner traditionell jedermann, der kein Stammgast ist, grundsätzlich herablassend behandeln, haben Sie freilich richtig beobachtet.

(Die Würstel mit den Käsestücken im Brät, welche für die Berner Würstel verwendet werden, nennt man in Wien übrigens "Eitrige" – ohne Schmäh ;)

diefrogg - 7. Jul, 14:45

Das mit den "geländegängigen...

Ostfriesen" hatte leider ein Jahrzehnt lang seine Richtigkeit. Damals gabs bei uns nicht Ostfriesen- sondern Österreicher-Witze. Warum, ist mir schleierhaft. Vielleicht lässt es sich mit einem gewissen Neid auf die Österreicher erklären: Es war ein Jahrzehnt, in dem der Skisport bei uns sehr populär war - und in dem der grosse Franz Klammer unseren Mannen nur so um die Ohren sauste.

Dass die Österreicher selber einen unübertrefflichen Humor haben (was mit den "Eitrigen" schon hinreichend bewiesen ist), haben wir damals noch nicht gewusst.

Unterdessen habe ich den Eindruck, dass die Österreicherwitze ausgestorben sind - ich kann mich aber irren. Ich habe so ein schlechtes Gedächtnis für Witze, dass man mir selten welche erzählt. Das bringt eh nix.
la-mamma - 14. Jul, 19:11

@wiener kellner

nur so als kleine ergänzung: die können auch zu den indigenen reichlich unfreundlich sein.
allerdings sind sie irgendwie auch unschlagbar - als kleines beispiel ein von mir höchstselbst belauschter dialog im cafe westend:
gast vor der tortenvitrine, auf eine sacher- und eine schwarzwälder kirschtorte zeigend: "herr ober, sagn se mal, was is´n der unterschied zwischen den beiden?"
der kellner deutet auf die rechte der beiden torten: "de do is greßa" (... nur vorsichtshalber auch hochdeutsch: die da ist größer)

diefrogg - 15. Jul, 09:58

Köstliche Anekdote!

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