an der tagblattstrasse

11
Mai
2008

Burma

Noch nie habe ich von einer Regierung gehört, die offenbar so viel Menschenverachtung, Verblendung und galoppierende Inkompetenz in so kurzer Zeit an den Tag legt! Es ist himmeltraurig.

30
Apr
2008

Urlaub vorbei

Nach drei Monaten Urlaub muss ich morgen wieder zu Arbeit. Vorhin wollte ich mit dem Explorer schnell meine Geschäftsmails anschauen. Das habe ich auch während meines Urlaubs ab und zu getan. Heute aber gings zuerst lange nicht. Explorer abgestürzt. Hat keinen Wank mehr gemacht. Entwickelt mein Computer da Symptome, die Ausdruck meiner eigenen Verfassung sind?

26
Apr
2008

Coop senkt Preis für Reis

Da erzählen uns doch sämtliche Medien, dass Migros den Preis für Reis erhöht. Wegen Reisknappheit auf dem Weltmarkt. Und die Medien berichten darüber in einer Länge und Breite, die fürchten lässt, dass sich die Ärmsten der Schweiz bald keins mehr leisten können.

Aber so schlimm kann es um die Reisvorräte der Welt nicht bestellt sein. Bei Coop jedenfalls ist alles anders: Dort ist Reis im Moment für 10 bis 20 Prozent Preisabschlag zu haben (jedenfalls in der Filiale, in der ich einkaufe, im Coopcenter am Löwenplatz, Luzern). Allerdings habe offenbar nicht nur ich bemerkt, dass das ein bisschen aussergewöhnlich ist. Ich habe jedenfalls noch nie so leergefegte Gestelle* gesehen!

Dennoch beruhigte mich dieser Schachzug von Coop. Ich hatte mir nämlich schon Sorgen gemacht. Ich meine: Wir Westler kennen den Hunger ja zum Glück nur als jenen lästigen Kerl, der jeweils unserer Diätbemühungen sabotiert. Deshalb erstaunt es mich umso mehr, dass derzeit so viel über die Lebensmittelkrise geredet wird. Zum Beispiel wegen ein paar Rappen Preisaufschlag! Nagt an uns Westlern eben doch noch ganz leise die Furcht, wir könnten eines Tages verhungern? Oder haben wir einen echten Grund, uns Sorgen zu machen?

Erst lachte die Frogg ja über die Frage. Aber dann las sie die Beteuerungen von Migros-Sprecherin Monika Weibel: Die Migros-Reislager seien noch bis im Herbst gefüllt: «Es gibt keine Engpässe bei keiner Sorte», versicherte Weibel. Also, wenn Mediensprecher zu "versichern" beginnen, dann bimmeln bei der Frogg immer die Alarmglocken.

Da tut es gut zu merken, dass Coop und Migros noch Konkurrenz spielen. So lange sie das tun, muss die Welt in Ordnung sein.


*Doch, einmal, anno 1990, unmittelbar vor dem Ausbruch des Zweiten Golfkriegs. Damals glaubten ja vor allem ältere Leute, Saddams Helikopter würden demnächst vor dem Bundeshaus landen. Sie hamsterten deshalb Lebensmittel. Die Folge: In vielen Läden gabs nur noch Basmatireis, denn den kannten die älteren Leute nicht.

6
Dez
2007

Rouge

Für unser jährliches Abteilungsfoto haben wir uns für einmal in Schale geworfen. Wir machen uns einen Spass draus, so auszusehen:


(Bild geklaut von www.stadtwanderer.net)

Wie die acht Aufrechten im Bundesrat. Schliesslich sind wir die Nachrichtenredaktion. Einige von uns haben sogar ab und an mit Bundesräten zu tun.
Ich absolviere für das Bild die ganze Schmink-Ochsentour: Eyeliner, Mascara, Lippenstsift und als krönender Abschluss ein Hauch Rouge auf jede Wange.
"Ui, jetzt siehst Du aber wirklich ein bisschen aus wie Frau Leuthard!*“ sagt Praktikantin Lea.

Als wir das Bild gemacht haben, gehe ich nach Hause. Beim Kindergarten an der Tagblattstrasse taucht plötzlich ein Bub neben mir auf und sagt: „Bist Du ein Clown?“
„Nein, wieso?“ frage ich.
„Weil Du rote Farbe im Gesicht hast!“


*Für Nichtschweizer: Doris Leuthard ist ganz links im Bild.

1
Dez
2007

Dieser Geruch...

Freunde, ich bin auf der Suche nach einem Waschmittel, das wirklich weiss wäscht und auch noch gut riecht. Ja, ich weiss: Das Problem ist banal und wäre selbst auf einem Blog nicht erwähnenswert, wenn da nicht… aber lest selbst:

Bislang benutzte die Frogg für ihre Wäsche stets Skip Sunlight von Coop. Ein tiptopes Waschmittel. Nur hinterlässt es auf weissen T-Shirts in den Achselhöhlen mit der Zeit gelbliche Flecken. Unschön. Die Frogg hörte sich also nach etwas Besserem um. Den richtigen Tipp bekam sie von Mutter Frogg: „Nimm Copact Ariel. Das wäscht nicht nur weiss, es wäscht bei farbigen Kleidern die Farbe gleich mit weg.“ Was allerdings für die Frogg kein Problem darstellte. Schliesslich wollte sie mit Ariel nur ihre weissen T-Shirts waschen. Sie kaufte also eine Packung Ariel.

Doch nach dem ersten Gebrauch des neues Waschmittels war sie befremdet. Denn aus ihrer frisch gewaschenen Wäsche stieg ein Geruch hoch, dem sie sich nur höchst ungern aussetzt: der Geruch von Elend.

„Der Geruch von Elend? Wie willst Du wissen, wie Elend riecht?!“ höre ich Ulrike fragen. Lasst Euch gesagt sein: Ich weiss es. Ich weiss es, weil ich ein paar Jahre lang Redaktorin einer Lokalzeitung war. Damals begegnete ich dem Geruch von Elend alle paar Monate einmal. Verströmt von Personen, meist Männern, die eines Tages auf der Redaktion auftauchten und nullkommaplötzlich einen Journalisten zu sprechen wünschten. Sie brachten stets dicke Papierstösse mit und begannen, noch bevor sie sich gesetzt hatten, ohne Punkt und Komma zu reden. Sie redeten von einem Unrecht, das ihnen widerfahren war, oft in den Achtziger- oder Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Einem Unrecht, das stets neues Unrecht und wieder neues Unrecht nach sich gezogen hatte. Sie redeten darüber, dass sie arbeitslos, verarmt und von ihrer Ehefrau verlassen worden waren. Davon, dass sie ihre Kinder nicht mehr zu sehen bekamen. Der eine hauste in einer billigen Absteige und sagte, die Nutten dort wollten ihn vergiften. Der andere war überzeugt, dass gegen ihn immer noch eine Verschwörung gewisser alt-Regierungsräte im Gang war. Und dazu verströmten all diese Männer immer denselben Geruch: den Geruch abgestandener Aprilfrische, den leisen Geruch nie angezündeter Räucherstäbchen und den bittersüssen Geruch von Chemie. Den Geruch des Elends.

Journalistin Frogg las sich jeweils in ihre Aktenberge hinein. Hoffte, irgend etwas für sie tun zu können. Versuchte ernstlich zu prüfen, ob da irgend eine behördliche Schlamperei im Gange sei. Doch stiess sie bei ihren Nachforschungen stets auf dem Schweigen verpflichtete Staatsdiener. Bekam von Kollegen zu hören: „Oh, der Mann ist verrückt! Er war auch schon bei mir. Und er hat beim Amt für Sowieso längst Hausverbot, weil er die Leute dort ständig drangsaliert.“ Selbst die Anwälte der Elenden (ja, die Elenden in diesem Land haben wenigstens Anwälte), sagten jeweils: „Bringen Sie nichts davon an die Öffentlichkeit! Sie schadem meinem Mandanten damit nur!“

So liess Journalistin Frogg den jeweiligen Elenden jeweils fallen. Entschied, sein Fall sei nicht von öffentlicher Relevanz, weil ein Einzelfall. Sie tat es stets im Einverständnis mit ihren Redaktionskollegen.

Dennoch denkt sie hie und da an einen von ihnen. Hofft, dass er Gerechtigkeit gefunden hat, oder wenigstens Ruhe. Dass er nach Frische und Wohlstand riecht. Aber sie denkt ungern an ihn, mit einer Mischung aus Verunsicherung („war er wirklich einfach und von sich aus verrückt? Oder hat der Amtsschimmel ihn mit seinem Wiehern verrückt gemacht?) und Ärger über die verlorene Zeit.

Dank Compact Ariel trage ich die Erinnerung an die Elenden jetzt auf dem Leib. Versteht Ihr jetzt, dass es mich drängt, darüber zu schreiben?

19
Mai
2007

Alle suchen Madeleine

Der Fall der verschwundenen Vierjährigen Madeleine bewegt in Europa sämtliche Boulevard-Medien und Millionen von Menschen. Warum ist das so?

Nun, ich muss gestehen: Die Sache bewegt mich auch. Ich habe Bilder vom Gesicht dieser Mutter gesehen, von diesem schönen, gezeichneten Gesicht, und mir überlegt: Würde ich mir je verzeihen, wenn meinem Kind so etwas passieren würde? Ich meine: Frau wird sich in einer solchen Lebenslage 1000 Mal gut zureden, sie könne doch nichts dafür, dass ausgerechnet ihr Kind verschwunden ist. Aber fühlt sie sich nicht doch immer schuldig?

Aber das ist natürlich nur ein Aspekt. Ich glaube zudem, wir befinden uns hier in den frühen Phasen einer Geschichte, die das Zeug zu einer grossen Tragödie hat. Da fahren durchaus durchschnittliche Eltern mit ihren Kindern in die Ferien. An die Sonne, in den Süden. Hier machen sie ihren einen, klitzekleinen Fehler: Sie lassen ihre Kinder für die Dauer eines Nachtessens allein. Ich meine, eigentlich ist das gar kein richtiger Fehler: Welche Eltern würden ihre Kinder nicht für ein Weilchen allein lassen, wenn das schon geht? Aber genau in dieser Zeit passiert das Furchtbare, und schon kippt alles vom Guten ins Böse.

Wenn das nicht Furcht und Mitleid erregt!

Ich glaube, sogar Aristoteles fände so eine Ausgangslage bewegend. Und damit komme ich zu einer für mich ganz neuen These: Nicht alles, was der Boulevard bringt, ist Mist. Mehr dazu ein andermal.

Für Madeleine hoffen wir, dass sie aus der Tragödie ausbricht und demnächst wohlbehalten nach Hause kommt.

27
Aug
2005

Trauer um eine Strasse

Vor zwei Tagen empfand ich erstmals so etwas wie Bestürzung angesichts unserer so genannten Hochwasserkatastrophe. Er kam, als ich Bilder der Strasse bei Werthenstein sah. Werthenstein an der Kleinen Emme. Die Emme hat dort kurz vor dem Dorf ein Loch in die Strasse gerissen. Jetzt ist da, wo da Strasse sein sollte, einfach nichts. Nichts, gesäumt von viel Dreck, ein paar ausgefransten Strassenenden und einer gurgelnden, Flussbrühe.

Die Strasse von Werthenstein kenne ich, seit ich ein Kind bin. Wenn wir Vater Froggs Familie besuchten, dann fuhren wir dieser Strasse entlang. Als ich vor drei Jahren Auto fahren lernte und meine ersten Fahrstunden mit Vater Frogg hatte, sagte er: «Fahr zu Familie Frogg!» Und wir fuhren über Werthenstein und dort brachte Vater Frogg mir bei, wie man richtig Kurven fährt.

Ich war traurig, weil die Kleine Emme ein Loch in MEINE Strasse gerissen hat.

22
Aug
2005

Hochwassersirenen

Sie weckten mich so um 2 Uhr morgens. Erst träumte ich von einer Platte, die einen Sprung hatte, einer Sängerin, die immer die gleiche Tonfolge leierte. Dann wachte ich auf und hörte, was die Tonfolge wirklich war: eine Sirene, auf und ab, auf und ab. Hochwasser? dachte ich. Dann hörten sie auf und ich schlief weiter. Jetzt weiss ich: Es waren die Hochwassersirenen von Emmen.

Am Morgen weitere Sirenen. Die Feuerwehr. Die Polizei. Ambulanzen.

Stau am Sedel.

Krisensitzung im Büro.

19
Feb
2005

Fehlerteufel

Gestern habe ich beim Zeitung machen einen Fehler gemacht. Einen dieser Fehler, der einem am nächsten Morgen beim Zeitung lesen als erstes in die Augen sticht: Ich habe Marla Glen mit 2 «n» geschrieben. In einer Bildlegende. Man schreibt Marla Glen mit einem «n», so wie's im Text neben der Bildlegende steht.

Das ist etwas vom Schlimmsten, was einem beim Zeitung machen passieren kann. Das ist einer der Fehler, bei denen man denkt: «Oh nein, Scheisse! 10 Stunden Arbeit vergeben!»

Der Leser sieht ja nie, was man alles richtig macht auf so einer Zeitungsseite. Dem Leser stechen immer nur die Fehler ins Auge. Und zwar nur die banalen Fehler. Ich meine, denken kann einer, was er will, und wenn es noch so blöd ist. Aber wenn er einen Namen falsch schreibt in einer Bildlegende, das ist furchtbar. Steinigenswert. Verdammenswert.

Man möchte sich zur Strafe in den eigenen Hintern beissen vor Ärger. Nachdem man dreimal den Oberkörper um die eigene Achse gedreht hat, ohne dabei die Beine zu bewegen.

Man möchte im Versandhandel ein neues Hirn bestellen. Eines dieser ordentlichen, wohl organisierten Hirne, die funktionieren wie die Hirne einer Rechenmaschine.

Warum bin ich mit so einem fransigen Hirn geboren?

30
Jan
2005

An die Nachwelt

In den achtziger Jahren sagten die Politiker: «Wir wollen unseren Kindern eine intakte Umwelt hinterlassen. Aber das zu sagen, ist inzwischen aus der Mode gekommen.

Heute sagen die Politiker: «Wir wollen unseren Kindern einen schuldenfreien Staat hinterlassen.» Aber dass sie das gesagt haben, vergessen sie ja heute schon immer mal wieder.

Unsere Kinder können sich freuen.
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