2
Aug
2009

Im Hotel Hysteria

In Pula landeten wir im Hotel Histria.

Hotel Histria

Es lag meilenweit vom Stadtzentrum in einem Hotelghetto auf einer Halbinsel. Wir hatten beide nicht dorthin gewollt. Es hatte vier Sterne und war sündhaft teuer. Wie wir trotzdem hingekommen waren? Darüber breitet die Sängerin hier höflich den Mantel des Schweigens. Sagen wir es so:

- Es wäre schön, wenn es auf dem Bus-Terminal von Pula eine Tourist-Info gäbe
- Es wäre noch schöner, wenn sie am Sonntag auch nach 13 Uhr geöffnet wäre

Jedenfalls nannten wir das Haus Hotel Hysteria, kaum hatten wir uns fertig gestritten. Wir waren immer noch beide nicht sonderlich gut gelaunt, als wir unsere Siebensachen auspackten. Umso überraschter war Frau Frogg, als Herr T. plötzlich schallend lachte. Er hatte unsere Istrien-Wanderführer in den Händen: Eben hatte er darin einen Spaziergang gefunden, der genau von diesem unzugänglichen Fleckchen Erde ins Stadtzentrum von Pula führt. In etwa zwei Stunden, wohlgemerkt. Dennoch nahmen wir ihn noch am selben Nachmittag unter die Füsse. Am Abend lernten wir dann, dass es auch einen Bus vom Stadtzentrum ins Hotel Histria gibt.

Schliesslich freundeten wir uns gar mit dem Hotel Hysteria an. Herr T. machte es zum Ziel einer einsamen Exkursion:

Er entdeckte:

- Wie der Animator dort seine Schäfchen zum Wasserballspielen bringt
- Wo die Angestellten im Beauty Salon ihre Zigarettenpause machen
- In welchen Mauernischen der Hotelfassade die Mauersegler (oder waren es Schwalben?) ausruhen, wenn sie lange genug durch die Lüfte rundum gedüst sind
- Er sah jene Brüstung über dem Swimmig Pool, die man nicht betreten durfte (Einsturzgefahr)
- Und das Schlemmerlokal am anderen Ende der Lobby

Und den Lift, natürlich.
Hotel Histria Escalator, Pula

Herr T. liebte den Lift!

Schutzengel

Auf dem Spielplatz beim Göttersee steht die längste und steilste Rutschbahn der Alpennordseite. Da will Tim hinunterrutschen. Dafür muss er eine steile Treppe aus gebeizten Baumstämmen hochsteigen. Gegen 20 Stufen, schätze ich. Ich gehe nicht mit hinauf. Tim ist vier. Treppen steigen kann er mittlerweile alleine. Ich schaue nur zu. Im oberen Drittel turnt er einen Moment lang herum und verliert plötzlich das Gleichgewicht. Da hängt er, an nichts als einem Stück blauem Himmel, und rudert mit den Ärmchen.

Ich stehe da und sehe ihn fallen, höre ihn schreien, sehe gebrochene Knochen, gebrochene Leben.

Doch er fängt sich und klettert weiter. Als wäre nichts gewesen. Stunden später kann er sich gar nicht mehr an den Moment erinnern. Ich schon.
logo

Journal einer Kussbereiten

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Suche

 

Impressum

LeserInnen seit dem 28. Mai 2007

Technorati-Claim

Archiv

August 2009
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
 
 1 
 3 
 6 
 7 
 9 
10
13
15
17
20
22
24
27
29
31
 
 
 
 
 
 
 

Aktuelle Beiträge

Kommentar
Liebe Frau frogg, schauen Sie bitte bei WordPress...
Freni - 28. Nov, 20:21
Ein schreckliches Tal
Soglio im Bergell, Oktober 2013. Was habe ich Freunde...
diefrogg - 6. Okt, 20:27
Liebe Rosenherz
Danke für diesen Kommentar, eine sehr traurige Geschichte....
diefrogg - 11. Jan, 15:20
Ja, die selektive Wahrnehmung...
auch positives oder negatives Denken genannt. In den...
diefrogg - 9. Jan, 18:14
liebe frau frogg,
ein bisschen versuch ich es ja, mir alles widrige mit...
la-mamma - 5. Jan, 14:04

Status

Online seit 7177 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 17. Sep, 17:51

Credits


10 Songs
an der tagblattstrasse
auf reisen
bei freunden
das bin ich
hören
im meniere-land
in den kinos
in den kneipen
in den laeden
in frogg hall
kaputter sozialstaat
kulinarische reisen
luzern, luzern
mein kleiner
offene Briefe
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren