12
Feb
2009

Fit oder fett?

Ich habe geneu eine halbe Stunde Zeit, bevor ich mich bereit machen und zur Arbeit muss. Soll ich eine Runde gummizellen-joggen. Oder soll ich mich meinem Krimi widmen?

Ich entscheide mich für den Krimi.

Ich meine: Das Streben nach einem perfekten Körper kann ja kein ernst zu nehmendes Projekt sein.

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nanou - 12. Feb, 16:32

'Perfekt' vielleicht nicht, aber ein fitter Wohlfühlkörper ist mir persönlich tausendmal lieber als ein fetter, um mal Ihre Ausgangsfrage aufzugreifen. Für mich ist dies durchaus ein 'ernst zu nehmendes Projekt', wenn ich es auch anders nennen würde. Ich KANN mir aber nicht vorstellen, dass Sie sich zwischen diesen Alternativen entscheiden müssen.

diefrogg - 12. Feb, 16:43

Ihr Widerspruch...

kommt mir sogar gelegen, Frau nanou. Er belebt hier ein bisschen die Diskussion. Und abgesehen davon: Auch für mich ist das ein Dilemma. Die Schwabbelpölsterchen an meinem Bauch ärgern mich einerseits. Andererseits erfüllt mich diese Sportelei einfach nicht. Ich bin ein Mensch, der ein Ziel braucht. Ein Projekt, das über mich hinausreicht.

nanou - 12. Feb, 16:50

Nun, ich denke, mein Körper ist mein Tempel - und ich habe nur diesen. Zu lange bin ich nicht gut mit ihm umgegangen, darunter litt auch der Rest von mir. Also wird er wieder aufgepäppelt, so fühlt sich die ganze Nanou wohler. Und Projekte, liebe Frogg, habe ich auch andere. Darauf ließe ich mich nie beschränken. Nur mal so am Rande. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Ich will hier nicht missionieren. Gar nicht. Jedem so, wie's beliebt. Eine interessante Erfahrung noch an dieser Stelle: Ich erlebe immer wieder, wie viele gute Gedanken mir persönlich beim Sport kommen und als intellektueller Frau ist mir das sehr Recht.
twoblogs - 12. Feb, 19:25

1.Ich kenne niemandem, liebe frogg, mit perfektem Koerper; aber vielleicht ist mein eigener so perfekt, dass ich daneben keinen anderen gelten lassen kann!;–)

2.Da dem nicht so ist, bin ich immerhin am besten Weg dorthin, indem ich einigermassen regelmaessig laufe und sonst diverse Uebungen, unter anderem mit dem Dynaband, mache und – vor allem – Bewegung nicht verteufle! ;–)

3.Die Entscheidung findet beim Lebensmitteleinkauf im Supermarkt statt und am Weg dorthin und wieder zurueck. Dabei koennen sich sehr schoene und animierende Dinge ereignen, auch im eigenen Kopf.

4.Was ist fit? Bin ich schon fit, wenn ich mich im Kopf fit fuehle? Bin ich fit, wenn ich eine Reihe gut oder auch nur akzeptabler Ideen habe? Bin ich fit, wenn ich diese sogar in einen passablen Zusammenhang zu Papier und dann sogar – nach 3 oder 4 Stunden Schlaf – zum Auftraggeber bringen kann? Bin ich fit, wenn ich an Ort und Stelle noch in der Lage bin, meinen Text einem vorgegebenen Layout einzupassen und auch einen (mir vielleicht gar nicht gelungen erscheinenden) Titel zu finden?

5.Ich finde, das Dilemma versteckt sich im Wort „Sportelei“! Da gefaellt mir schon besser nanous „Tempelei“! In der Tempelei haben sowohl liebevoll angemessenes Koerpergefuehl als auch wohltuend bissiger Intellekt nebeneinander Platz!

À bientôt! Audrii

veronikaha - 12. Feb, 22:41

Schöngeistige Templerei in Ehren: aber kann mir jemand so ein Fitnesscenter nennen, wo die Ästhetik weder auf billige Kreuzfahrtschiffromantik noch testosterongesättige Schweisszelle macht? ich kann aufgrund von Knieproblemen nicht joggen gehen und scheitere immer wieder an meinem grundsätzlichen Unbehagen in diese Retortenparadiesen.
Ich bin wohl deshalb so heikel, weil ich derzeit kaum Freizeit habe (Familie und zwei verschiedene Teilzeitstelllen) und dann keine Sekunde davon verplempern will.. Ich hätte am liebsten ein Strampelrad zu hause, welches den Strom generieren würde für die DVDs, die ich schon immer mal sehen wollte. Und zu Schluss würde eine Duschkabine über mich gestülpt, ein Roboterchen würde alles hübsch abrubbeln und eincremen und ich könnte den Kopf wo anders lassen. Garderoben sind nämlich die doofsten Unorte der Welt und darum mit ein Grund, dass ich mein Fitnessabo nicht verlängert habe: Diese unfreiwillige Nähe, das Geschwätz der Langjährigen, mein ewiges Durcheinander in diesen riesigen Sporttaschen und dann eine rote Birne im Spiegel...
Um mir die Luxusvariante zu hause zu leisten müsste ich allerdings mehr arbeiten und dann hätte ich noch weniger Zeit, eine Teufelsspirale.. so spaziere ich die Treppen auf und ab, beherzige all die gutgemeinten Ratschläge und weiss doch gleichzeitig, dass ich viiiiiel mehr tun müsste, um auf einen grünen Zweig zu kommen...
Bessere Möglichkeit um sich fit in jeglicher Hinsicht zu halten: Tanzen gehen! Das gibt es in unserer Stadt wirklich, Disco für Grufties. Da wird mein Körper zum Tempel und ich bin versöhnt mit der Form so wie sie halt ist. Wär das was, Frau Frogg?

trox - 13. Feb, 01:21

Das Streben nach einem perfekten Körper kann ja kein ernst zu nehmendes Projekt sein.

Absolut einverstanden, und ich würde auch für Krimi entscheiden wenn ich denn diese Wahl hätte: beneidenswert, wer einen Krimi schreiben will (ich lösche derweil emails...)

Auch einverstanden, dass der perfekte Körper kein ernst zu nehmendes Projekt sein kann. Erstens weil perfekt kein ernstzunehmendes Ziel ist. Zweitens weil "perfekter Körper" sowas von glossy magazine hat.

Ganz abgesehen davon sind die Schwabbelpölsterchen durchaus ein Ärgernis. Nur kommen die in der Wohlstandsgesellschaft mit dem Alter (bzw. dem Sitzen). Und das heisst auch, dass ihnen (bzw. uns) nicht mit der einen halben Stunde geholfen ist. Vermutlich ist langfristige Energiebilanz (was ein akademischer Ausdruck) die einzige Lösung: versuch zu verbrennen, was du zu dir nimmst (das Business Modell der Fitness Studios) -- oder aber versuch zu dir zu nehmen was du verbrennen wirst (Modell Kapuziner? hmmm, so sattelfest katholisch bin ich ja auch nicht).

Ich, zum Beispiel, sollte jetzt also nicht mit dem Bier beim Kommentieren sitzen, obwohl ich heute 'ne gute halbe Stunde zwischen den beiden Gebäuden meiner Arbeitgeberin hin, her und hin gelaufen bin, weil ich mich am einen Ende ausgeschlossen hatte und am andern Ende noch Kollegen mit Schlüssel zum einen Ende sassen.

Aber weder das Bier noch das Laufen machen sich (beim Schwabbelpölsterchen -- hiess auch schon mal "Speck angesetzt" im verwandten Blog) bemerkbar.

Die halbe Stunde Krimi schreiben (eehm: emails löschen) beim Krimi (bzw. der Inbox) wohl ...

diefrogg - 13. Feb, 09:57

Olala!

So viele feurige Kommentare. Das ist Musik auf meinem Laptop!
@ veronika: Tanzen... ja, ich glaube tanzen, darüber könnten wir nachdenken! So ab 1. März....
@ trox: Danke! Das ist eine prima Ermutigung! Dir wnsche ich, dass das Email-Aufräumen Dir den nötigen Raum für die Weiterverfolgung Deiner Projekte verschafft!
@ audrii: Danke auch für Ihren Kommentar. Er hat mich immerhin gezwungen, meine Motivation für diesen Eintrag etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich muss hier festhalten:
1) Meine ganze Kindheit und Jugend über waren Turnstunden für mich ein dreimal wöchentlich munter sprudelnder Quell des Unglücks. Der Begriff "Sportelei" kommt aus diesem Kontext und ist ein kleiner, bitterer Hieb ans Bein all meiner einstigen Turnlehrer. Keinesfalls war er auf die sportliche Achtsamkeit gemünzt, die Sie und nanou Ihrem Körper gönnen. Nein, ich verteufle den Sport nicht. Ich muss sogar festhalten: Trotz quälender Turnstunden damals habe ich meinen eigenen Zugang zum Sport gefunden, was ich für eine nicht zu unterschätzende Leistung halte. Früher joggte ich regelmässig draussen. Seit ich das wegen meiner Schwindelanfälle nicht mehr so gut kann, darf ich mich immerhin als Erfinderin des gummizellen-joggens bezeichnen. Ausserdem lege ich gerne lange Fussmärsche zurück, was der Weltöffentlichkeit nichts Geringeres als das frogg'sche Gotthard-Epos beschert hat. Einmal im Jahr ringe ich mich sogar zum Skifahren durch.
2) Meine problematische Beziehung zum Sport schlug sich hier in einem Eintrag nieder, der für mich ein ganz anderes Thema hatte (Was Sie zugegebenermassen nicht wissen können): Für mich stellte sich an diesem Punkt die Frage: Was und wie viel davon opfere ich für meinen Krimi? Sie müssen wissen: Ich gehe gegen 35 Stunden die Woche einer Erwerbsarbeit nach. Den Krimi schreibe ich in meiner Freizeit, weil das für mich Tempelei ist: ein Projekt, das ich für relevanter halte als alles andere, was ich in meinem Leben tue. Trox hat mir zum Glück bestätigt: Ich liege richtig.
3) Der herrschende Körperkult, der Zwang zur Schlankheit löst bei mir Misstrauen aus. Natürlich betrachte auch ich meinen Körper als etwas Wertvolles und lasse ihm Pflege zukommen (der Begriff "Tempel" löst bei mir aber ebenfalls Misstrauen aus. Ich bin Agnostikerin). Gerade weil mir mein Körper etwas Wert ist, möchte ich aber nicht mit Tätigkeiten gegen ihn freveln, die ihn nur quälen und entwürdigen würden: zum Beispiel Schlitten fahren, Reck- oder Ringturnen. Über Fitness-Centren habe ich noch keine defintive Meinung. Ich finde sie meistens einfach nur sterbenslangweilig, werde aber wohl demnächst eins brauchen , um den Schmerzen in meiner Schulter Meisterin zu werden.
@nanou: Ja, tatsächlich. Auch ich hatte beim Joggen schon tolle Einfälle. Nur: Im Moment gehts um nichts anderes als ums Dasitzen und Am-Text-Arbeiten. Und ausserdem ist die Zeit knapp... Aber das haben Sie ja verstanden.

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