26
Mai
2009

Das Paradies hat einen Namen

Es heisst Çıralı. Aber versucht gar nicht erst, den Namen des Paradieses auszusprechen! Was haben Türken uns ausgelacht, korrigiert oder einfach nicht verstanden, wenn wir "Çıralı" sagten! Dabei haben wir es genau so ausgesprochen, wie es uns der Sprachführer beigebracht hatte, nämlich "Tscherale" oder "Tschöralö". Das "ı" sprachen wir aus als "kurzes, dumpfes 'i', fast wie das 'e' in 'machen'" (so mein Sprachführer). Doch das schien ganz falsch zu sein. Was die Türken so anders machten als wir, wenn sie "Çıralı" sagten? Das hat Frau Frogg aber auch nicht wirklich verstanden, auch wenn sie genau hinhörte. Da Frau Frogg aber einmal Linguistik studiert und sich für Phonetik interessiert hat, ist sie der Sache nachgegangen. Sie hat festgestellt: Das türkische "ı" ist ein sogenannter geschlossener, ungerundeter Hinterzungenvokal, phonetisch geschrieben ein [ɯ]. Aber das bringt Frau Frogg, mittlerweile Hobbylinguistin, ehrlich gesagt, auch nicht weiter. Und im Moment fällt mir herumturnen mit der Zunge im Mund sowieso schwer: Ich war gerade beim Zahnarzt, und er hat mich unebittlich gequält.

Wenden wir uns dem Paradies also zu, ohne es beim Namen zu nennen. Wir erreichten es am Montag, 4. Mai, nachmittags. Es handelt sich um ein Dorf in einer Bucht rund 80 Kilometer südwestlich von Antalya. Die Gegend ist bemerkenswert naturbelassen. Und sie hat durchaus muslimische Züge: Ihre Schönheit wehrt sich gegen eine bildliche Darstellung. Oder lag es nur an meiner mangelnden Könnerschaft als Fotografin? Ich habe getan, was ich konnte. Und doch schien es mir fast unmöglich, die Wirkung des Ortes bildlich festzuhalten. Hier ein paar wenige Impressionen.

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Aber ich konnte das Paradies riechen. Es roch nach Pinienwäldern und Meer, nach Rosen und Jasmin und nach glücklichen Hühnern.
Ich konnte es hören: Im nahen Fluss quakten die Frösche, der Wind raschelte in den Blättern und in unserem Zimmer hörten wir die Brandung auf den Kiesstrand donnern. Und am Abend im Restaurant am Meer konnte es schon mal vorkommen, dass wir unter unserem Tisch ein merkwürdiges Geräusch hörten. "Das klingt wie eine kotzende Katze", sagte Acqua. Und es war eine kotzende Katze. An jedem anderen Ort auf der Welt hätte die Frogg einen Zustand bekommen. Aber nicht hier. Hier hatte sogar eine Katze mit Brechreiz unter meinem Restaurant-Tisch Platz. Easy.

Und wir selber sahen das Paradies natürlich: Den gewaltigen Strand. Die zartgrünen Wiesen dahinter, in denen die Bauernfrauen aus der Nachbarschaft abends wilde Kräuter pflückten. Die riesigen Pinienwälder. Die Rosensträucher in unserem Garten, all die Katzen und Hunde und Frösche.

Ich bin ja sonst eher misstrauisch, wenn ich beim Reisen im Paradies lande. Aber diesmal gab ich mich dem Glück, an einem so schönen Ort zu sein, einfach hin.

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acqua - 26. Mai, 19:54

Ich finde deine Fotos von Cıralı wunderbar. Vor allem das erste (Chimaera?) gibt einiges von der Schönheit des Tales wieder. Auch der Mohn ist dir gut gelungen. Man sieht auf dem Bild sogar die Bewegung des Windes :-P. Trotzdem weiss, ich was du damit meinst, dass man diesem Paradies im Bild nicht gerecht wird. Ich glaube, genau aus diesem Grund konnte ich mich während unserer Ferienplanung für diesen Ort nicht so recht erwärmen; die Bilder, die wir davon auf dem Internet sahen, gefielen mir einfach nicht. Nur gut, dass du dich davon nicht hast beirren lassen. Ich darf gar nicht daran denken, was uns sonst alles entgangen wäre.

Etwas Wichtiges ist dir dafür bei der Beschreibung des Paradieses entgangen: Der Lärm Die Geräusche, die die Hähne und Hunde frühmorgens und manchmal auch mitten in der Nacht machten.

diefrogg - 26. Mai, 21:41

Ja richtig...

die frühmorgendliche Sinfonie der Hunde und Hähne und jenes... äh... Pfauen, den wir nie gesehen, aber immer wieder mal gehört haben! Dass ich das vergessen konnte! Zum Glück habe ich mein fast taubes linkes Ohr! Ich konnte mich einfach aufs Rechte legen und weg war das Getue! Ja, das erste Bild habe ich oben bei der zweiten Chimäre gemacht, wenn ich mich richtig erinnere. Und: Danke für die Blumen bezüglich Mohn ;)
brigitte - 26. Mai, 21:07

Ich möchte nicht deine Fotokünste schmälern, aber die Bilder werden der wunderbaren Beschreibung im drittletzten Absatz einfach nicht gerecht. Klingt wirklich paradiesisch!

acqua - 26. Mai, 21:20

Dabei hat diefrogg noch unterschlagen, dass ich ihr in regelmässigen Abständen sehr feinfühlig von den Kotzfortschritten der Katze berichtete.
diefrogg - 26. Mai, 21:52

Ja, aber...

bei aller Liebe zu den Katzen von Çıralı: Fotografieren wollte ich das Exemplar unter unserem Tisch dann doch nicht! Ich weiss auch gar nicht, ob sies am Schluss hingekriegt, oder ob sie nur lange gewürgt hat! Auch paradiesisch! Dass man so etwas vergessen darf!
acqua - 26. Mai, 21:53

So weit ich es verfolgen konnte, hat sie nur gewürgt.
diefrogg - 26. Mai, 21:57

Ja, stimmt!

Du musstest ja meinetwegen mit den Hühnern ins Bett!
acqua - 26. Mai, 22:02

Den Zusammenhang zwischen Katze und Hühnern musst du mir erklären.
Sowieso bin ich froh, dass ich nur mit dne Hühnern ins Bett aber nicht mit ihnen aufstehen musste. Aber das weisst du ja schon.
diefrogg - 26. Mai, 22:44

Naja, Du konntest nicht...

warten, bis die Katze fertig war, weil ich mit den Hühnern ins Bett wollte!
brigitte - 26. Mai, 23:01

ich meinte jetzt eher den ersten teil des absatzes :-)). das fand ich eine sehr schöne beschreibung. da geht die katzekotze glatt vergessen.
walküre - 26. Mai, 23:26

Der verschwimmende Übergang vom Meer zum Horizon hat etwas, das immer wieder Fernweh in mir auslöst; wahrscheinlich war ich in einem früheren Leben ein Seefahrer, stets auf der Suche nach neuen Horizonten. Hm. Eigentlich bin ich das ja heute auch noch (auf der Suche, meine ich), nur halt mehr so geistig. :-)

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