1
Sep
2013

Über das Lesen

Seit einiger Zeit geniesse ich ein unglaubliches Privileg: Ich habe Zeit zum Lesen. Seit ein paar Monaten nehme ich mir diese Zeit auch. Ich lese alles Mögliche: mehr Zeitungen, Gedichte, ganz selten Bibeltexte, am liebsten aber historische Literatur, zurzeit gerade dieses Buch:



Was darin steht, ist für für diesen Beitrag irrelevant. Nur so viel: Es hat einige hundert Seiten – und wo ich früher bestenfalls Abend für Abend an fünf, sechs Seiten genippt hätte, tauche ich jetzt manchmal für eine oder zwei Stunden am Stück ein. Es ist ein grossartiges Gefühl, sich vom Strom einer breiten Argumentationslinie mitnehmen zu lassen. Man reist weit.

Das ist für mich ein neues Gefühl. Gut, ich hatte auch als junges Mädchen ab und zu viel Zeit zum Lesen. Aber damals feierte ich lieber, hing tage- und nächtelang mit Freunden herum. Damals quälte ich mich gelegentlich mit meiner Unfähigkeit, hingebungsvoll zu lesen. Heute bereue ich nichts mehr, denn die Zeit des Feierns ist für mich vorbei. Ich meide Ansammlungen von mehr als zwei Menschen, wenn immer ich kann. Zu viel Betrieb stresst mich und nimmt mir das Gehör. Heute bin ich froh, dass ich damals keine Party ausgelassen habe. Ich bedaure heute höchstens, dass ich mich quälte. Mit Gölä sage ich: I hätt no viu blöder ta*.

Lesen können ist eine Errungenschaft, sagt meine Freundin Zelda. „Man muss lernen, sich das Lesen zu erlauben.“ Zelda weiss, wovon sie spricht. Buchstaben entziffern konnten wir beide schon mit fünf. Zum Lesen kamen wir spät. Wir stammen aus einem nicht gerade bildungsnahen Milieu - und wir waren Mädchen. Doch dazu später mehr.

* In etwa: "Ich hätte mich noch viel wilder benommen" (ist aber schwierig zu übersetzen).
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Journal einer Kussbereiten

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