22
Nov
2004

Fröscher Partyleben

Der Tiger kommt immer zu spät zu Parties. Es nützt gar nichts, wenn man zu ihm sagt: «Hey, Tiger! In einer halben Stunde müssen wir los!» In einer halben Stunde ist der Tiger dann bestimmt erst gerade dabei, sich mit Rasierschaum einzucremen. Die Frogg steht in solchen Momenten jeweils im Mantel und in den Strümpfen bei der Tür und nervt laut rum.

Genau so war es auch, als die beiden am letzten Wochenende zur Verleihung des Fröscher Kulturpreises gingen.

Ich schreibe ja sonst nie über Parties. Parties sind zwar ein populäres Thema, aber sie liefern meistens schlechtes Material. All das nette Geplauder mit Leuten, die niemanden interessieren! Was soll man darüber schreiben?! Aber die hier machte doch ein bisschen was her. Also schreibe auch ich mal über eine Party.

Das Fest fand im Theater zur Singenden Ameise statt. Auf dem Weg dorthin wetterte die Frogg zum Tiger: «Wirst sehen, wir werden zu spät kommen! Sie werden die Tür abschliessen! Wir werden uns draussen die Füsse abfrieren müssen!»

Sie ist noch mitten am Keifen, da kommen die beiden auch schon bei der Singenden Ameise an. Draussen vor der Tür steht der Fröscher Stadtpräsident, weiss der Kuckuck, was er da draussen bei der Kälte macht. Der Stadtpräsident sieht aus wie ein Realität gewordener Kleingewerbler-Traum von einem Politiker. Freundlich, überall rund und nicht allzu weltmännisch.



Vielleicht gerade deswegen wählen wir ihn immer wieder. Er halt doch der Beste, den wir haben.

Neben ihm steht seine linke und rechte Hand, die tobende Kulturbeauftragte Heidi Wehrli Schlatter. In letzter Zeit tobt sie seltener, aber dafür streckt sie jetzt den Arm aus. «Himmel, muss ich jetzt Hände schütteln!?» denkt die Frogg nervös. Sie hat doch gar keine Hand frei. In der einen hat sie die Handtasche, am anderen Arm den Tiger. Aber die Schlatter macht nur die Tür auf, damit auch die letzten Zuspätgekommmenen noch hinein kommen. Als hätten sie extra auf den Tiger gewartet.

Weil Tiger & Frogg zu spät gekommen sind, müssen sie nun in der hintersten Reihe sitzen. Von der Bühne sehen sie von dort fast nichts, wegen der Scheinwerfer. Dafür umso besser das Foyer, wo die Preisträger und die Politiker sitzen und auf ihren Auftritt warten.

Im Foyer sitzt auch Nitroglyzerin, kurz Nitro, ein alter Kumpel der Frogg. Er erhält den Kulturpreis regelmässig so alle vier Jahre, dieses Jahr zum dritten Mal. Wem sollte man ihn auch sonst geben?

Neben Nitro sitzt Mäxchen, Philemons Ex. «Auch das noch!» will Philemon gerade seufzen. Das heisst... sie hätte Mäxchen fast nicht erkannt, weil er drei Jahre in Schottland gewesen ist. Dort ist aus der kahlen Stelle an seinem Hinterkopf eine richtige Glatze geworden, und er hat auch etwas Speck angesetzt. So viel Speck und Glatze, dass die gute Laune der Frogg sofort saniert ist.

Neben Mäxchen sitzt Herr Schwerzmann, der Gemeindepräsident von Moderig. Mäxchen wirft mal eine Bemerkung hinüber zum Gemeindepräsidenten. Dann telefoniert er wichtig mit dem Handy. Die Frogg lehnt hinüber zum Tiger. «Hast Du das gesehen?» sagt sie. «Das Mäxchen sitzt neben dem Gemeindepräsidenten von Moderig. Das wird Mäxchen gefallen. Er sitzt doch so gerne neben wichtigen Leuten!»

Neben der Frogg sitzt derweil Beat, ein Ex-Chefchen von damals, vom Fröscher Morgen. Er ist noch später gekommen als Tiger und Frogg. Und er hat seine beiden Goofen* dabei. Die lärmen, und das stört den Tiger. Die Laudationes haben doch begonnen! Der Tiger macht ständig «shhht!», und die Frogg sollte auch «sshhht!» machen, aber sie traut sich nicht, weil Beat doch ihr Ex-Chefchen ist. Und weil die Goofen süss sind, auch wenn sie Lärm machen.

Überhaupt haben ganz viele Gäste ihre Kinder mitgenommen. Das alles wäre ein richtiges Familienfest, wenn nicht so viele schwarze Anzüge herumsitzen würden.

Die Ehrung ist schon in vollem Gang, da erscheint auch noch Albin, der Heiland der Hausbesetzer und rasende Reporter des Fröscher Tagblatts. Er war in der Musikjury, stellt sich heraus. Die Frogg fragt den Tiger: «Was meinst Du, wird er jetzt auch noch den Bericht fürs Fröscher Tagblatt schreiben?»

Nach der Ehrung geht's zum Apero. Dort gibt's Cüpli** und Litschibowle und Häppchen.

Jemand ärgert sich über die schwache Laudatio für die Komponisten. Albin schreibt wirklich den Bericht im Fröscher Tagblatt, es darf nicht....

Da kommt Mäxchen mit dem Cüpli in der Hand. Gott sei Dank. Einer, der etwas Neues zu erzählen weiss! Einer, der im Ausland gewesen ist! Weg von Frösch! Und er erzählt. Er erzählt vom Nebel, der in Aberdeen blitzschnell über die Strassen huscht. Von den riesigen Schiffen im Hafen. Von seinem Häuschen und dass man in Schottischen Häusern ein Cheminéebraucht. Weil die Heizkörper immer auf der falschen Seite angebracht sind. Dass die Leute dort ungeheuer tatkräftig sind, aber nicht besonders gut organisiert. Ganz anders als bei uns. Jesses, wie der erzählt! Die Frogg hat schon ganz vergessen, dass sie eigentlich gar nicht mit ihm reden wollte.

Derweil ist der Tiger plötzlich aussergewöhnlich nett. Ein richtiger Gentleman, was er ja sonst nie ist. Bringt der Frogg die Litschi-Bowle, nach der sie gar noch nicht gefrag hatte, owbohl sie welche probieren wollte. Und Satay-Spiesschen.

Als Schottland sich als Thema zu erschöpfen beginnt, gehen die Frogg und der Tiger nach Hause.

«Habe ich zulange mit dem Mäxchen gequatscht?» fragt sie den Tiger. Sie hofft auf ein bisschen Eifersucht. Aber der Tiger ist nie eifersüchtig.

An der Bushaltestelle treffen sie Katja. Katja hat einen Neuen. Einen, den die Frogg noch nicht kennt. Der aber aussieht, als könnte er dazugehören. Er hat so ein Fröscher Freakgesicht. Das ist beruhigend. Nach all diesen Pendelbeziehungen von Katja. Mit Deutschen und so.

«Wie alt ist eigentlich Katja?» fragt die Frogg später den Tiger im Bus. «Och, die ist vielleicht so ein, zwei Jahre älter als Du», sagt der Tiger. Das findet die Frogg beruhigend. Dass man eventuell auch in ihrem Alter noch einen finden könnte, der so aussieht, als gehöre er dazu.

Wobei... eigentlich ist sie ja mit dem Tiger ganz zufrieden im Moment. Und sie findet, dass sie eben doch zu viel mit dem Mäxchen gequatscht hat. Soll ja keiner denken, dass sie ihn noch mag!

*Schweizerdeutsch für «nervende Kinder»
** 1 Cüpli = 1 Glas Sekt

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freilich - 22. Nov, 22:10

mit deiner geschichte

triffst du einen wunden punkt von mir... ;-)
übrigens solltest du endlich deinen namen verlinken, sonst findet keiner zu dir, auch nicht, wenn du anderswo kommentierst. Unter "Profil bearbeiten" - wenn ich so aufdringlich sein darf - kannst du unter persönliche url eben die deines weblogs reinschreiben.

diefrogg - 22. Nov, 22:35

Welchen Wunden Punkt?

Kommst Du immer zu spät an Parties? Oder plauderst Du zu lange mit Deinem Ex? ;) & übrigens: Danke für den Tipp. Ich meine, ich bin ja sowas von blöd! Gruss P.
freilich - 22. Nov, 22:44

nein

ich meinte, wie das sein wird, wenn ich da vorne bei den Geehrten stehen muss. Hast eh schon gelesen, wie ich gesehen habe. autsch ;-)

gut, dass du dich verlinkt hast.
diefrogg - 22. Nov, 22:59

So peinlich

...wie unser Kumpel Nitro wirst Du niemals sein! Da kannst Du Dich lange anstrengen! Und er hat doch den Kulturpreis gewonnen. Schon dreimal! Gruss P.

freilich - 22. Nov, 23:15

du mögest recht behalten

;-)
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