27
Mrz
2015

Strapaziöser Frühling

Vielleicht habe ich in letzter Zeit zu wenig gejammert. Eine Leserin hat das alles hier jedenfalls als "kraftvoll" und "lebensbejahend" bezeichnet. So sehr mich das freut - es wird Zeit, dass ich dieses Bild zurechtrücke und ein trauriges Geständnis mache: Ich empfinde die Jahreszeiten immer öfter wie die Phasen einer chronischen Krankheit.

Zum Beispiel der Frühling. Ich meine: Da scheint endlich die Winterstarre überwunden, es wird warm, geradezu fiebrig warm. Farben schiessen aus dem Boden, beunruhigend viele Farben, es ist zum Bäumeausreissen - und schon am nächsten Tag verklebt frischer Schneeschleim die Pastellpracht. Ein Rückfall. Und doch denkt man, bald werde man das alles überstanden haben – die Kälte und die Erkältungen, das Grau, die mehligen Äpfel und braunfleckigen Bananen aus dem Supermarkt. Bald gibt’s Erdbeeren und Spargeln und dann Kirschen und Aprikosen, und dann ist es Sommer und heiss und man kann baden und im Schatten unter den Bäumen liegen und nachts draussen plaudern ohne Jäggli und alles ist gut. So gut.

Aber ehrlich - heuer sehe ich all das Gebalze und Gespriesse und denke immer: Wozu die ganze Aufregung? Nur fünf Monate, dann beginnt ein neuer Schub Winter.

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Kulturflaneur - 27. Mär, 18:27

Heizperiode

Genau! Heute beginnt die Heizperiode 2015/2016. ;-)

diefrogg - 27. Mär, 18:29

:)))

Hoffentlich heisst das nicht, dass wir jetzt bis im Herbst kalte Heizkörper haben.

Oder dauert die Pause zwischen den Heizperioden nur von 10 Uhr abends bis 5 Uhr morgens?
bonanzaMARGOT - 2. Apr, 07:41

stiimmt, jedes jahr das gleiche elend: erst das ewige warten auf den frühling, der lange herumstottert; ruck zuck wartet er dann mit sommerlichen temperaturen auf, während die sommermonate verregnet und kühll sind; schließlich noch ein paar tage altweibersommer, und das war`s auch schon wieder... was für ein heck meck! von den unterschiedlichen tageslängen ganz zu schweigen - kaum ist es schön lange hell, werden die tage wieder kürzer. klar, man kann sich das alles schön reden. ich finde es jedenfalls ätzend! wie das leben an sich. erst wird man geboren, freut sich eventuell am leben; aber sehr schnell sind die schönsten jahre vorbei, und es geht abwärts. das leben ist ein einziges himmellfahrtskommando...

steppenhund - 2. Apr, 08:42

Ich gehe davon aus, dass es ironisch gemeint ist. Ich frage mich aber, warum "man" sich nicht gleich umbringt, wenn das Leben so schlimm ist.
Die Antwort kenne ich.
-
Allerdings fällt mir auch der Spruch einer englisch-gebürtigen Freundin ein, die meinte, dass es kein schlechtes Wetter gäbe. Man wäre höchstens unpassend angezogen. Ich habe mich oft erinnert, wenn ich mit dem Hund spazieren war - bei jedem Wetter!
diefrogg - 2. Apr, 19:33

Ja, der Spruch...

ist ein Wahlspruch von mir. Ich bete ihn gerne Herrn T. vor, weil er bei schlechten Wetter partout nicht spazieren gehen will (anders als ich, es gibt Tage, da lebe ich auf im Regen, da finde ich Novembergrau genau die richtige Farbe für meine Seele, da sende ich meine Ahnungen aus in die Unendlichkeit des Nebels und empfange seltsame Signale - wunderbar ist das).

Abgesehen davon, Herr Steppenhund: Lassen Sie uns Hobbydichter doch ein wenig in unserem Elend schwelgen! Betrachten Sies als Etüden in der hohen, leider in der heutigen Zeit sträflich vernachlässigten Kunst der Jeremiade.
bonanzaMARGOT - 3. Apr, 18:11

mal davon abgesehen, dass ich mich nicht als einen hobbydichter ansehe...
klar kann man sich umbringen, wenn einem alles total auf den keks geht. ich halte das für legitim. man sollte es sich halt vorher gut überlegen, weil es bekannterweise endgültig ist.
die ironie liegt im der tragik des lebens selbst. die muss ich gar nicht dazu dichten.
ich glaube nicht, dass ich mich demnächst umbringen werde. ich warte noch ein bisschen... und jammere diesen grausigen optimisten die ohren voll.
diefrogg - 12. Apr, 18:30

Oh Entschuldigung,

Herr BoMa! Was auf meiner Seite geschrieben wird, bezeichnete ich in diesem Fall gern als Hobbydichterei. Aber dich als Hobbydichter zu bezeichnen, ja, das hätte ich wohl nicht gedurft.
epper - 2. Apr, 17:34

Bis vor kurzem war ich der festen Überzeugung, dieser Frühling würde mir der Schlimmste in 20 Jahren werden und dann nahtlos in einen Sommer des Schreckens übergehen, bis dann ein erneuter Herbst das Mass vollmachen wird. Und dann wieder Weihnachten, oh Gott. (Jetzt scheint es nicht mehr so. Auch wieder ein Stossgebet, oh, Gott) Es ist aber schon seltsam, wie Gefühle an Jahreszeiten gekoppelt sind, dabei sollten wir in unseren so umweltschonend isolierten Räumen, stetig drahtlos angekoppelt an die ganze Welt, doch längst in einer Utopie des ewig Gleichen angekommen sein, wo Tage, Stunden, Minuten, Sekunden sich im Kreise drehen und nicht Jahre mit ihren Monaten und Jahreszeiten. Ich denke, ich habe viel von meinen Kindern gelernt, die zum einen immer viel mehr Zeit haben als ich, zum anderen wirklich noch in den grossen Zyklen leben. Die Hasen im Supermarkt im Februar können die Vorfreunde auf Ostern noch nicht trüben und Geburtstage sind etwas Wundervolles …

diefrogg - 2. Apr, 19:49

Es sind ja auch...

die Kindheitserinnerungen, die einem ein Leben lang bleiben. Mir zaubert schon die Erinnerung an die Osterspaziergänge von damals ein Lächeln ins Gesicht. Da machte der Grossvater immer so merkwürdige Umwege an den Waldrand. Dann kam er zurück und sagte: "Wisst Ihr was? Ich glaube, ich habe den Osterhasen gesehen. Mich dünkte sogar, ihm seien gerade ein paar Ostereili aus dem Korb gefallen - er hat einfach zu viel Zeug dabei heute, dieser Osterhase." Ich weiss noch genau, wie ich plötzlich begriff, dass ich die Eier genau an der Stelle suchen musste, wo der Grossvater kurz zuvor stehen geblieben war. Er liebte solchen Schabernack. Wenn wir schon bei den Stossgebeten sind: Gott gebe jedem Kind einen solchen Grossvater!

Dir schöne Ostern, Herr Epper! Fühl Dich wie Rilke im Schloss! Ich lese Dich, wenn wir zurück sind: Wir verreisen morgen für ein paar Tage ins Tessin.
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