7
Sep
2005

Herz gebrochen

Ehrlich gesagt: Ich habe dem Herrn T. gegenüber schon einmal behauptet, dass der Wirbelsturm Katrina ein gewisses ästhetisches Empfinden bewies, als er Biloxi zerstörte. Biloxi ist die zweithässlichste Stadt, die ich je gesehen habe. Nichts als Casinos und Parkhäuser und vierspurige Strandstrassen und eine total misslungene Stadtplanung.

Auf dem Rückweg von Biloxi nach New Orleans fuhren wir durch einen Ort namens Bay St. Louis. Ein hübsches Dorf mit einem malerischen Dorfkern direkt am Meer. Wunderbare «Eggs Benedict» gab es in einem der Restaurants dort. «Hier hättem wir Ferien machen sollen, und nicht in Biloxi!» klagte ich zu Herrn T.

Neulich habe ich Bilder von Bay St. Louis im Fernsehen gesehen. Der hübsche Dorfkern: ein Trümmerhaufen! Die Einsebahnbrücke von Amtrack: ein Trümmerhaufen!

Katrina hat doch keinen Geschmack!

Ich meine, die Zerstörung von Biloxi ist furchtbar. Die von New Orleans ist noch viel furchtbarer. Aber Bay St. Louis hat mir fast das Herz gebrochen.

Katrina stiehlt mir das Ferienparadies in meinem Kopf.

Ich protestiere gegen Katrina und gegen alle unfähigen amerikanischen Behörden und ich weiss: gestohlene Ferienparadiese sind eine Kleinigkeit.

Aber trotzdem: Es ist furchtbar.

30
Aug
2005

Flut in Luzern

Ja, in einigen Gegenden gabs fürchterliche Unwetterschäden. Bei uns in Luzern war das Hochwasser ja sehr spassig.

27
Aug
2005

Trauer um eine Strasse

Vor zwei Tagen empfand ich erstmals so etwas wie Bestürzung angesichts unserer so genannten Hochwasserkatastrophe. Er kam, als ich Bilder der Strasse bei Werthenstein sah. Werthenstein an der Kleinen Emme. Die Emme hat dort kurz vor dem Dorf ein Loch in die Strasse gerissen. Jetzt ist da, wo da Strasse sein sollte, einfach nichts. Nichts, gesäumt von viel Dreck, ein paar ausgefransten Strassenenden und einer gurgelnden, Flussbrühe.

Die Strasse von Werthenstein kenne ich, seit ich ein Kind bin. Wenn wir Vater Froggs Familie besuchten, dann fuhren wir dieser Strasse entlang. Als ich vor drei Jahren Auto fahren lernte und meine ersten Fahrstunden mit Vater Frogg hatte, sagte er: «Fahr zu Familie Frogg!» Und wir fuhren über Werthenstein und dort brachte Vater Frogg mir bei, wie man richtig Kurven fährt.

Ich war traurig, weil die Kleine Emme ein Loch in MEINE Strasse gerissen hat.

24
Aug
2005

Joggen im Unwettergebiet

Der Typ, der mir entgegengepflügt kommt, trägt blitzweisse Sportschuhe. Unwetter verbinden die Menschen, heisst es und so rufe ich ihm zu: «Wollen Sie Ihre Schuhe sauber behalten? Dann kehren Sie um!»

Er nickt und mustert meine verdreckte Sporthose und den Schlamm an meinen Schuhen. Er hat einen Führerkiefer und dieses Silberhaar, hinter dem die Frogg stets einen fordernden Chef mit BMW vermutet.

Ich sehe, wie er heftig nachdenkt. Soll er dreckig werden und seine überlegene Ausstrahlung aufs Spiel setzen? Oder soll er ein ganzer Mann sein und sich durch die Schlammhaufen da hinten wühlen?

«Aber es ist machbar, oder?» fragt er und man sieht wie er denkt: «Wenn das mollige Lisi hier das geschafft hat, dann kann ich das fünfmal und ohne dreckig zu werden!»

Ich kann nur nicken, grinsen und hören, wie er weiter hastet. Er wird sehr dreckig werden. Wir befinden uns auf der stadtfernen Seite des Rotsees. Der Hang ist hier an einigen Stellen ins Rutschen gekommen. Umgefallene Bäume liegen auf dem Weg. Man muss durch Erdlöcher klettern, um sie zu umgehen. Und Löcher unter freiem Himmel sind hier immer noch mit Wasser gefüllt. Alle.

«Naja, er wird ein Weibchen zu Hause haben, das ihm seine Schuhe wieder weiss macht», denkt sich die Frogg.

Die Welt kommt langsam wieder in Ordnung.

23
Aug
2005

Das Wasser steigt

Luzern, ein Uhr morgens. Der Rathausquai sieht aus wie eine Szene aus einem Fellini-Film. Die Reuss steigt, 5 cm pro Stunde, der Quai-Rand ist schon überschwemmt. Unter der Rathauskeller-Arkade ein grosser, runder Tisch. Am Tisch sitzen die Wirte, die Hoteliers und Coiffeur Hugo und seine Frau Franziska, alle haben ihre Lokale am Quai. Total 8 oder 9 Leute.

Sie trinken Rotwein und sind schon ziemlich fidel.

"Was soll man machen?" sagt Hotelier Rolf Hilber, "1999 haben wir uns noch aufgeregt. Diesmal wissen wir, wie's läuft. Wir waren vorbereitet. Haben den ganzen Tag alles aus den Kellern hochgefugt. Aber jetzt? Jetzt sind wir fatalistisch."

"Routiniert!" ruft einer und alle beginnen zu lachen.

"Aber Sie dürfen ja nicht glauben, es würde uns Spass machen!"

Wieder Gelächter.

Draussen ist die Reuss wieder ein paar Zentimeter gestiegen.

Heute ist der Quai gar nicht mehr passierbar.
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Journal einer Kussbereiten

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