6
Nov
2013

Gletscher und Palmen

Herr Steppenhund hat neulich hier berichtet, er habe einmal eine Schweiz-Reise wegen schlechter Wetterprognosen gestrichen. Ich finde: So etwas sollte man nicht tun. Denn erstens sind Wetterprognosen für Schweizer Alpentäler notorisch unzuverlässig. Zweitens verpasst man bei Nebel vielleicht ein paar Alpenpanoramen. Aber ein weinender Himmel schafft seine eigenen Geschichten. Manchmal hübsche, kleine Dramen - wie an dem Tag, als wir das Bergell verliessen.

Wir fuhren im Palm-Express. Das ist eine legendäre Postauto-Verbindung.


(Quelle: www.swisspasses.com)

Sie führt von St. Moritz über den Maloja und Chiavenna nach Lugano: von den Gletschern zu den Palmen, wie es im Prospekt heisst. Und, oh ja: Palmen wollten wir! Denn das Bergell präsentierte sich nach wie vor abweisend.


Bei Promontogno

Als wir losfuhren, liess wenigstens der Regen nach.

Schon nach wenigen Kilometern überquerten wir die italienische Grenze. In Chiavenna hielt der Bus für eine halbe Stunde. Das Städtchen verlockte durchaus zu einem Spaziergang. Doch niemand wollte bummeln gehen, denn es tröpfelte wieder. Schon bald scharte sich ein Häufchen leicht als Schweizer zu erkennende Reisende um unsere postgelbe Schweizer Exklave auf vier Rädern. Man wartete auf Einlass.

Dann erreichten wir den Comer See. Dort gibt es Palmen. Und es kann grau sein. Regnen tat es aber bis nach Lugano nicht mehr.

Trockenen Fusses gelangten wir ins Hotel Pestalozzi, wo wir zu nächtigen planten. Wir hatten gerade unser Zimmer im obersten Stock erreicht und kurz die Aussicht von unserem Balkon bewundert.


Lugano, die Perle des Tessins, Palmen vorhanden. Im Hintergrund der Monte San Salvatore

Da begann es zu regnen. Es regnete, wie es nur im Tessin regnen kann: unbändig, laut und sehr, sehr lange. Ein frostiger Wind wehte. Als wir fürs Abendessen hinausgingen, drehte er uns beiden sofort den Schirm. Wir flüchteten ins erstbeste Restaurant.

Am nächsten Morgen fiel unser Blick zuerst auf die schneebezuckerten Bergkuppen rundum. Wir hörten, der Malojapass sei wegen Wintereinbruchs gesperrt. Wenn wir einen Tag später gereist wären, hätte der Winter uns kalt erwischt. Wer weiss. Vielleicht wären wir tagelang im Bergell hängen geblieben. Dann wäre ich wahrscheinlich verrückt geworden.

Doch da waren wir. In Lugano. Der Himmel riss auf, und wir bekamen ein absolutes Prachtstägli, unzählige Palmen inklusive.


Monte San Salvatore am 11. Oktober, Blick auf den Luganersee Richtung Porlezza, von wo wir gekommen waren.
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