3
Mai
2011

Echte Gentlemen, keine Schweizer

Es geschah im Café Mozart in Wien. Das Lokal war voll und vor mir warteten zwei Männer-Grüppchen auf einen Sitzplatz. Ich wäre gern woanders hingegangen. Aber ich konnte nicht. Ich hatte mich im Café Mozart mit Herrn T. verabredet.

Da wurde ein Tischchen frei und der Kellner wollte das vorderste Herren-Grüppchen abholen.

"Ach lassen Sie die Dame vor", sagte der eine Herr.

Ich war verblüfft. In der Schweiz passiert mir sowas nie. Auch dann nicht, wenn ich besser angezogen bin als ich es an jenem Tag war. Ich trug diese hellgraue Jacke, in der ich aussehe wie etwas, was der letzte Wirbelsturm hereingetragen hat. Ich meine: Man sollte wenigstens wie eine Dame angezogen sein, wenn man wie eine Dame behandelt wird.

"Aber meine Herren, Sie waren alle vor mir da!" sage ich.

"Eine Schweizerin lassen wir doch gerne vor!" antwortet da einer der Herren. Wahrscheinlich ein Deutscher.

Das hat er gern gesagt. Er hat gern gesagt, dass er meinen Akzent erkannt hat und dass er selber besser Hochdeutsch kann. Und schwingt da etwas von dem Staunen über die Schweizer mit, das einem als Schweizerin im Ausland hie und da begegnet? Gerade bei Deutschen? Diese oft ziemlich direkt ausgesprochene Frage, warum wir eigentlich immer noch in einem Land leben, in dem Milch und Honig reichlich fliessen?

Hey, möchte ich sagen, wir leben ein Land mit Milch und Honig. Aber ohne Gentlemen!

Ich lächle, sage: "Danke, die Herren!" und folge dem Kellner zum freien Tischchen.

Allen Gentlemen schenke ich einen Soundtrack mit einer wirklich sexy gekleideten Sirene, die auch eine tolle Musikerin ist.

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