17
Nov
2004

Bittebitte gebt diesem armen Knochengerüst...

... den Speck der Poesie. Heute früh ertappte ich mein Alter Ego, die Frogg, dabei, wie sie das Bild von Condoleezza Rice anschaute, als wäre die eine alte Bekannte. «Das kanns ja wohl nicht sein!» sage ich streng.

«Ich weiss!» ruft Philemon. «Aber die Arbeit ist Schuld.» Im Büro schieben wir gerade wieder Neun- und Zehnstundentage in Serie. Das Frogg'sche Tagwerk:

7.30 Uhr: Tiger küssen, aufstehen, frühstücken, Zeitung lesen
8.45: Computer im Büro einschalten
12.05: Mittagessen
13.00: weiter arbeiten
Zwischen 19.30 und 20.30: Computer im Büro ausschalten, nach Hause gehen, ins Sofa sinken, Süppchen essen, fernsehen
23.30 Uhr: Tiger küssen, schlafen gehen

An freien Tagen (heute) machen wir nebenbei ein paar Stunden lang die Dinge fürs Büro, die richtig Spass machen.

Ja, ja, der Job ist ok. Die neuen Kollegen haben mit den kleinen Unberechenbarkeiten der Frogg rechnen gelernt. Ich meinerseits habe die neuen Kollegen manipulieren gelernt – falls nötig. Jetzt sind die Arbeitstage im Schnitt eine Stunde kürzer als vor einem Jahr. Die guten Momente sind, weiss Gott, häufiger geworden. Und ich weiss: Es gibt Tausende von Jobs, bei deren es gar nichts gibt, was wirklich Spass macht.

Aber die Frogg jammert weiter. Ihr fehlt der Speck der Poesie. Vor lauter Hunger ist ihr Gedankenleib zu einem dürren Knochenhaufen abgemagert: Einst hat sie darauf verzichtet, Bibliothekarin zu werden. Weil sie nicht in einer Welt leben wollte, die auf einer Karteikarte Platz hat. Jetzt endet ihr Horizont bei der weissen Linie eines Parkplatzes (gebührenpflichtig – das angesagte Fröscher Lokalthema). Sie lebt in einer Welt der Bildschirme und der Papierhaufen. Vom Anblick des Fröscher Stadtlogos kriegt sie Kopfschmerzen, und ja, eben, Condoleezza Rice...

Neulich, ja neulich war es anders. Da fuhr sie nachts allein über Land, das Autoradio lief, ein Song namens «Electric Snowdrops», überirdisch, kühl und licht und das zarte, hohe Klingeln der Töne fütterte auch das linke Ohr der Frogg. Momente wie auf einer winterlichen Mondreise.

Aber das ist schon wieder eine Weile her.

Nun ja. Ich habe frei. Jetzt setze ich diesen Eintrag online. Dann suche ich hier noch ein bisschen Futter für die Frogg! Vielleicht werde ich ja fündig.

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