Deutsche und Schweizer: der Unterschied
Einen zentralen Unterschied zwischen Schweizern und Deutschen begriff ich, als wir im Sommer in Sachsen waren. Er betrifft die Sprache. Bei ihrem Gebrauch schöpfen die Deutschen ihre Kraft aus der Einheitlichkeit. Hochdeutsch ist eine grosse Kultursprache. Sie bietet einen sicheren, tiefen Halt in den Strömungen der Vielfalt. Sie ist der Fixstern im sprachlichen Kosmos der Deutschen.
Das kann auch merkwürdige Auswirkungen haben. Meine deutsche Freundin Helga ist nur etwa 30 Kilometer von der französischen Grenze entfernt in einem durchaus bildungsnahen Haus aufgewachsen. Einmal hat sie mir erzählt: "Ich habe erst mit zehn Jahren begriffen: Meine Güte, es gibt Menschen, die wirklich eine andere Sprache als Deutsch sprechen!"
Für mich war das total anders: Ich bin in der Deutschschweiz aufgewachsen. Das Wissen, dass die Leute anderswo anders sprechen, habe ich mit der Muttermilch aufgesogen. Meine Eltern waren mässig gebildete Deutschschweizer. Aber sie hatten ihre Zeit "im Welschen" absolviert, und sie konnten Französisch und waren stolz darauf. Und ein paar Takte Italienisch und wenig Englisch.
Mit 16 sassen meine Schweizer Freundin und ich in Italien am Strand und übersetzten in einer Gruppe Teenager-Touristen zwischen Deutsch, Italienisch, Englisch und Französisch hin und her. Natürlich radebrechten wir. Aber das war egal. Es funktionierte.
Das ist für uns Schweizer die Realität: Es gibt keinen sicheren Halt. Es gibt nur die Vielfalt. Das Netz, an dem wir uns durch sie hindurchhangeln, bauen wir uns selber. Es ist unterschiedlich korrekt gebaut und unterschiedlich tragfähig. Aber etwas anderes gibt es nicht. Hochdeutsch ist ein Knoten in diesem Netz - ein wichtiger, weil Hochdeutsch in der Deutschschweiz Schrift- und Amtssprache ist. Und weil Fremdsprachige vernünftigerweise Hochdeutsch vor Züri- oder Walliserdeutsch lernen. Aber es ist ein Knoten. Nicht mehr und nicht weniger.
Wohl deshalb wird um unsere Dialekte ein solcher Kult gemacht: Wenn wir überhaupt eine sprachliche Heimat haben, dann sind es unsere Dialekte. Aber gerade die Dialekte sind ja gelebte Vielfalt. Wir schöpfen unsere Kraft aus der Vielfalt, nicht aus der Einheitlichkeit.
Das soll kein Urteil sein. Ich sage nicht, dass die Schweizer oder die Deutschen besser sind. Es ist lediglich eine Feststellung.
Und jetzt rede ich nur von uns Deutschschweizern. Eine ganz neue Dimension sprachlicher Vielfalt erlebten wir auf unserer Reise in die Schweizer Südtäler - aber dazu später mehr.
Das kann auch merkwürdige Auswirkungen haben. Meine deutsche Freundin Helga ist nur etwa 30 Kilometer von der französischen Grenze entfernt in einem durchaus bildungsnahen Haus aufgewachsen. Einmal hat sie mir erzählt: "Ich habe erst mit zehn Jahren begriffen: Meine Güte, es gibt Menschen, die wirklich eine andere Sprache als Deutsch sprechen!"
Für mich war das total anders: Ich bin in der Deutschschweiz aufgewachsen. Das Wissen, dass die Leute anderswo anders sprechen, habe ich mit der Muttermilch aufgesogen. Meine Eltern waren mässig gebildete Deutschschweizer. Aber sie hatten ihre Zeit "im Welschen" absolviert, und sie konnten Französisch und waren stolz darauf. Und ein paar Takte Italienisch und wenig Englisch.
Mit 16 sassen meine Schweizer Freundin und ich in Italien am Strand und übersetzten in einer Gruppe Teenager-Touristen zwischen Deutsch, Italienisch, Englisch und Französisch hin und her. Natürlich radebrechten wir. Aber das war egal. Es funktionierte.
Das ist für uns Schweizer die Realität: Es gibt keinen sicheren Halt. Es gibt nur die Vielfalt. Das Netz, an dem wir uns durch sie hindurchhangeln, bauen wir uns selber. Es ist unterschiedlich korrekt gebaut und unterschiedlich tragfähig. Aber etwas anderes gibt es nicht. Hochdeutsch ist ein Knoten in diesem Netz - ein wichtiger, weil Hochdeutsch in der Deutschschweiz Schrift- und Amtssprache ist. Und weil Fremdsprachige vernünftigerweise Hochdeutsch vor Züri- oder Walliserdeutsch lernen. Aber es ist ein Knoten. Nicht mehr und nicht weniger.
Wohl deshalb wird um unsere Dialekte ein solcher Kult gemacht: Wenn wir überhaupt eine sprachliche Heimat haben, dann sind es unsere Dialekte. Aber gerade die Dialekte sind ja gelebte Vielfalt. Wir schöpfen unsere Kraft aus der Vielfalt, nicht aus der Einheitlichkeit.
Das soll kein Urteil sein. Ich sage nicht, dass die Schweizer oder die Deutschen besser sind. Es ist lediglich eine Feststellung.
Und jetzt rede ich nur von uns Deutschschweizern. Eine ganz neue Dimension sprachlicher Vielfalt erlebten wir auf unserer Reise in die Schweizer Südtäler - aber dazu später mehr.
diefrogg - 20. Okt, 10:59
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