14
Aug
2011

Englische Jugendliche und der Konsum

Herr T. und ich geniessen einen der Vorzüge eines guten Lebens in unserer Heimat. Wir sitzen mit einer Tasse Kaffee im Dampfschiff Unterwalden. Bei grandioser Bergkulisse diskutieren wir die News in der Tagespresse.


(Quelle: www.ostern-international.de)

Über den Aufstand der Jugendlichen in England wälzen wir eine Allerwelts-These: "Das kommt davon, wenn Du den Kindern immer erzählst, dass Konsum der einzig relevante Wert sei. Wenn Du ihnen kein Geld gibst, damit sie konsumieren können, gehen sie auf die Barrikaden."

Ich erinnere mich an die Zeit vor einem Jahr, als ich glaubte, bald nur noch sehr wenig zu verdienen. "Damals wurde ich neidisch, als ich vor mir an der Coop-Kasse eine Frau mit vier Packungen Crevetten sah! Obwohl ich selber nie auf die Idee gekommen wäre, einfach so vier Packungen Crevetten zu kaufen. Merkwürdigerweise kannte ich diesen Neid nicht, als ich studierte und wirklich knapp bei Kasse war. Naja, ich bekam als Gegenleistung für meine Sparsamkeit auch eine Elite-Ausbildung - wenigstens war es das damals noch. Und keiner meiner Freunde hatte Kohle. Heute ist natürlich alles anders."

Auch Herr T. war jahrelang knapp bei Kasse - und das lange nach seinem Studium. Aber dieses Gefühl von Neid an der Coop-Kasse, nein, das kenne er nicht. Sagt er. Und ich nehme es ihm ab. Ich kenne ihn ja schon lange. "Ich habe es nicht, weil ich tief in meinem Inneren ein Konsumverweigerer bin", sagt er.

Da muss ich jetzt doch intervenieren. "Jaaa!" sage ich, "Gewisse Dienstleistungen beziehst Du eben als Gratisarbeit von Frauenhand. Zum Beispiel Haareschneiden." Ich hebe demonstrativ meine Hände, die diese Arbeit jeweils - nicht eben vergnügt - verrichten. "Fürs Haareschneiden muss ich bares Geld auf den Tisch legen, und nicht wenig!"

Dazu Herr T.: "Also, ich würde Dir schon die Haare schneiden, wenn Du das möchtest!" Sein breites Grinsen lässt keine Fragen offen, wie ein Haarschnitt aus seiner Hand aussehen würde.
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