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    <title>Journal einer Kussbereiten : Rubrik:vorm buechergestell</title>
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    <dc:publisher>diefrogg</dc:publisher>
    <dc:creator>diefrogg</dc:creator>
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    <title>Journal einer Kussbereiten</title>
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  <item rdf:about="http://froggblog.twoday.net/stories/6002480/">
    <title>Grauenhaft komischer Roman</title>
    <link>http://froggblog.twoday.net/stories/6002480/</link>
    <description>In Londoner Buchläden muss man ja immer drei Bücher für den Preis von zwei kaufen. So kam ich letztes Jahr zu diesem Titel. Er war das nachlässig ausgewählte Anhängsel zu einem Duo, das ich unbedingt wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://www.pageandblackmore.co.nz/images/images_product/0141026995.jpg&quot; alt= &quot;width=80%&quot; /&gt;  Auf deutsch heisst es &quot;Caravan&quot;. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich das Ding noch lesen würde. Aber letzte Woche wurde der Lesestoff in Frogg Hall &lt;a href=&quot;http://froggblog.twoday.net/stories/5993648/&quot;&gt;krankheitsbedingt&lt;/a&gt; etwas knapp, und so machte ich mich schliesslich doch an des Werk der ukrainisch-stämmigen Engländerin Marina Lewycka. Ich war angenehm überrascht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lewycka macht eine romantische Komödie aus einem Thema, das wir eher in einem dokumentarisch gehaltenen Problemfilm erwarten: dem Schicksal von papierlosen Wanderarbeitern in Westeuropa. Die jungen Ukrainer Irina und Andryi lernen sich beim Erdbeerpflücken auf einem Feld in Kent, Südengland, kennen. Von dort aus setzen sie mit einem zugelaufenen Hund zu einer Reise gen Norden an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Buch herrschen blanker Hunger und gezielte Fehlernährung. Da lauern an jeder Ecke Gauner, die nur darauf gewartet haben, mit ahnungslosen Immigranten ein profitables Geschäft zu machen. Da liest man von grauenhaften Zuständen auf einer Hühnerfarm. Der widerliche Mädchenhändler Vulk ist Irina auf den Fersen. Und die Erinnerungen der Protagonisten an die ukrainische Heimat sind  alles andere als rosig. Und doch ist der Roman ungeheuer komisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irina und Andryi treffen jede Menge Figuren - Migranten wie sie oder Einheimische. Alle haben keinen Schimmer darüber, wie es um die Welt rundum wirklich bestellt ist (Irina und Andryi zunächst auch nicht). Die Beschränktheiten jeder einzelnen Figur stellt Lewycka sprachlich brillant dar - bis hin zum Hund. So  entsteht ein auf immer wieder verblüffende Weise ironisiertes Bild dieser schonungslos brutalen Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutschsprachigen Kritikern gefiel das &lt;a href=&quot;http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=11185&amp;ausgabe=200710&quot;&gt;im allgemeinen&lt;/a&gt;. Die britische Kritik, schwarzem Humor gegenüber sonst ziemlich tolerant, gab sich zart besaitet. Man dürfe nicht in diesem leichten Ton über so schwere Themen schreiben, findet etwa der &lt;a href=&quot;http://www.guardian.co.uk/books/2007/apr/01/featuresreviews.guardianreview&quot;&gt;Guardian&lt;/a&gt;. Da mache sich jemand über die Schwächsten lustig, findet eine Kommentatorin auf &lt;a href=&quot;http://www.amazon.co.uk/Two-Caravans-Marina-Lewycka/dp/0670916374&quot;&gt;amazon.com&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sehe das anders: Man darf. Denn über Andryi und Irina lacht man bald nicht mehr. Sie beweisen Stehvermögen in widrigsten Umständen. Sie sind tapfer. Sie lernen. Die bleiben nicht als Figuren in Erinnerung, über die man lacht, weil sie naiv sind. Sie sind Figuren der Hoffnung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und übrigens: Eine ultrarealistische Abhandlung über die Zustände auf  Hühnerfarmen hätte ich wahrscheinlich in meinem Zustand gar nie gelesen. Nach diesem Buch aber werde ich mir gut überlegen, welches Poulet ich nächstes Mal im Cööpli kaufe.</description>
    <dc:creator>diefrogg</dc:creator>
    <dc:subject>vorm buechergestell</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 diefrogg</dc:rights>
    <dc:date>2009-10-20T16:46:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://froggblog.twoday.net/stories/5922856/">
    <title>Buch für die Prinzessin</title>
    <link>http://froggblog.twoday.net/stories/5922856/</link>
    <description>Gestern betrat ich voller Tatendrang eine grosse Buchhandlung in meiner Stadt. Ich wollte ein Buch für die Prinzessin kaufen. Sie hatte mir geschrieben, ich solle ihr nichts anderes als ein Buch nach Paris mitbringen. Ein Buch, das ich gemocht habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun, mir fällt auf Anhieb ein halbes Dutzend Bücher ein, die ich gerne einer Freundin schenken würde. Als erstes dieses hier:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://www.gutenberg24.de/files/Echo%20Shop/Dische.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt; Das ist ein deftiger &lt;a href=&quot;http://www.perlentaucher.de/buch/22364.html&quot;&gt;Roman&lt;/a&gt;. Ein Buch, das in einer unverblümten Sprache alles abhandelt, was Frauen so beschäftigt: schwache Männer, Sex oder wie man ihn vermeidet, ungezogene Kinder, resolute Mütter, das Älterwerden, Deutschland während der Judenverfolgung, Amerika und vieles mehr. Es ist ein Buch, das viele Frauen einander schenken, glaube ich. Ich habe meines von  meiner Schwägerin &lt;a href=&quot;http://froggblog.twoday.net/stories/5395012/&quot;&gt;Stella&lt;/a&gt; bekommen. Und in der Buchhandlung stehen gleich drei Stück davon auf dem Gestell. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber für die Prinzessin... naja... ich habe sie seit mindestens 25 Jahren nicht gesehen. Unsere erste Freundschaft endete vor bald 30 Jahren. Und im Moment kann ich höchstens freudig hoffen, dass aus unserem Wiedersehen eine zweite wächst. Man stelle sich eine solche Situation vor! Ich meine: Gemessen an der Bedeutung des kommenden Treffens ist &quot;Grossmutter packt aus&quot; vielleicht doch zu wenig gewichtig. Vielleicht doch nur &quot;just another novel&quot;. Also etwas anderes. Vielleicht das hier:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://ecx.images-amazon.com/images/I/51T5WY8YYTL._SL500_AA240_.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt; Das habe ich vor vielleicht sieben oder acht Jahren mit Begeisterung gelesen. Die Anlage der Geschichte ist unkonventionell, poetisch: Ein grünes Akkordeon kommt mit einem italienischen Einwanderer nach Amerika und wandert dann von Einwandererhand zu Einwandererhand. Ein wunderbares Buch, fand ich damals. Und unkonventionell, poetisch... ja, das ist gut. Die Prinzessin war immer die Poetischere von uns beiden. Sie singt. Sie tanzt. Ich bin anders. Ich bin prosaisch. Ich mag lange Geschichten. &quot;Ds grüne Akkordeon hätte also etwas Verbindendes. Aber... Das grüne Akkordeon ist kein ganz neues Buch und vielleicht doch schon ein wenig vergessen. Vielleicht sollte es etwas Moderneres sein. Modern und poetisch... modern und poetisch... da sehe ich diesen Band:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://media.buch.de/img-adb/14132044-01-00/istanbul.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt; &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/Istanbul-Erinnerungen-Stadt-Orhan-Pamuk/dp/3446208267&quot;&gt;Der&lt;/a&gt; könnte der Richtige sein! Denn jeder, dem ich von &lt;a href=&quot;http://froggblog.twoday.net/stories/5273875/&quot;&gt;Pamuk&lt;/a&gt; erzähle, will dieses eine Buch lesen und kein anderes. Auch die Prinzessin könnte sich dafür interessieren. Denn die Prinzessin kennt den Orient, wenn auch nicht Istanbul, glaube ich. Das Problem ist nur: Ich habe genau dieses eine Buch selber nicht gelesen. Wie könnte ich also ernsthaft beurteilen, ob es der Prinzessin gefallen wird. Seufz! Also gut: Dann vielleicht das hier:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://greyowl.files.wordpress.com/2006/12/drina.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt; Das ist auch ein Buch über den Orient. In einem gewissen Sinne jedenfalls. Ein bewegendes Buch. Ein &lt;a href=&quot;http://www.dieterwunderlich.de/Andric_bruecke_drina.htm&quot;&gt;Nobelpreis-Buch&lt;/a&gt;. Aber es hat einen Haken: Man muss es mit einem langen Atem lesen. Man muss Zeit haben, sich vom ruhigen, mächtigen Strom dieser Geschichte wegtragen zu lassen. Man liest es am besten in den Ferien. Und Ferien... nein, ich glaube, Ferien habe demnächst nur ich. Nicht die Prinzessin. Tja... dann schenke ich ihr ein sprachlich virtuoses, aber kurzweiliges Buch. Eins, das mich vor 13 Jahren gelehrt hat, mich selber zu verstehen. Da steht es, mitten im Gestell:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://www.ndrtv.de/kulturreport/images/20030518_roy_gott_134.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt; Aber nein! 13 Jahre! Wie kann ich wissen, ob &lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/Gott-kleinen-Dinge-Roman/dp/3442724686&quot;&gt;dieses Buch&lt;/a&gt; den Test von 13 Jahren Geschichte überstanden hat? Ob man es heute noch lesen kann, ohne es zu belächeln? Ob es auch eine Frühvierzigerinmit Gewinn lesen kann? Nein, das kann es nicht sein!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin am Ende meines Lateins!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deshalb verlasse ich die Buchhandlung. Ohne Buch für die Prinzessin. Dafür habe ich für mich zwei neue Titel gekauft: Pamuks &quot;Istanbul&quot; und das hier:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://bilder.buecher.de/produkte/26/26083/26083146n.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Glück fahre ich erst am Dienstag. Ich gehe am Montag noch einmal in die Buchhandlung!</description>
    <dc:creator>diefrogg</dc:creator>
    <dc:subject>vorm buechergestell</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 diefrogg</dc:rights>
    <dc:date>2009-09-05T19:40:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://froggblog.twoday.net/stories/5888093/">
    <title>Eine extrem starke Frau</title>
    <link>http://froggblog.twoday.net/stories/5888093/</link>
    <description>&lt;img src=&quot;http://bilder.buecher.de/produkte/23/23401/23401615z.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt;Neulich erzählte ich einer Kollegin von meiner Kroatien-Reise. Da hat sie mir dieses Buch über &lt;a href=&quot;http://www.chius.ch/viktoria11/artikel/mhauser.html&quot;&gt;Monika Hauser&lt;/a&gt; gegeben. Es erzählt, wie die Frauenärztin in Bosnien eine Hilfsorganisation für vergewaltigte Frauen aufgebaut hat. Trotz seines in meinen Augen missglückten Titels fesselt es mich, wie mich schon lange kein Buch mehr gefesselt hat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil es drei Dinge bewirkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1) Monika Hauser ist eine Frau meiner Generation und in der Schweiz aufgewachsen. So komme ich in den ersten Kapiteln nicht umhin, laufend meine Biografe an jener von Hauser zu messen. Dass ich dabei nicht besonders gut wegkomme, wurmt mich zwar ein bisschen. Aber dafür kann ich gut einschätzen, wie viel Kraft, Empathie und Zivilcourage diese Frau hat. . Ich kann nicht beurteilen, was es heisst, ein Hilfswerk aufzubauen. Aber ich kann mir vorstellen, was es bedeutet, eine Bresche in die Bastion der chauvinistischen Frauenärzte von anno dazumal in einem Landspital zu schlagen. Und das hat  Monika Hauser getan, im Südtirol, in Schlanders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2) Spätestens im zweiten Drittel erfüllt mich tiefe Dankbarkeit dafür, nie Opfer eines ernst zu nehmenden sexuellen Übergriffs geworden zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3) Es schärft mein Bewusstsein dafür, wie wichtig der liebevolle Umgang mit meinen Mitmenschen ist - auch hier, auch in meinem Job.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4) Es stellt Fragen nach der Herkunft psychosomatischer Krankheiten. Fragen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte. Aber es sind Fragen, die für mich relevant bleiben.</description>
    <dc:creator>diefrogg</dc:creator>
    <dc:subject>vorm buechergestell</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 diefrogg</dc:rights>
    <dc:date>2009-08-19T17:46:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://froggblog.twoday.net/stories/5655095/">
    <title>Jungfräulicher</title>
    <link>http://froggblog.twoday.net/stories/5655095/</link>
    <description>&lt;img src=&quot;http://ecx.images-amazon.com/images/I/5135KL%2BF1ZL._SL500_AA240_.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt; Elizabeth George ist eine der besten angelsächsischen Krimiautorinnen der Gegenwart. Sie beweist es auch in ihrem neuesten Werk. Zwischen diesem mächtigen Konvolut der Spannung hat sie doch immer auch mal Platz für ein intelligentes Spielchen mit der Sprache. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel hier, als der reativierte Detektiv Thomas Lynley eine Frau befragt, die gerade am Krabbenkuchen backen ist. Mit Olivenöl, wie sie sagt: &quot;E.V.O. Extra virgin olive oil. The virginest you can find. If there are degrees of virginity in olives.&quot; (S. 430 in der Hodder-Taschenbuchausgabe). Auf Deutsch: &quot;Olivenöl extra vergine*. Das jungfräulichste, das man bekommen kann. Wenn es denn Abstufungen von Jungfräulichkeit gibt bei den Oliven.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gebrabbel, das jetzt folgt, überlese ich. Ich schmunzle darüber, dass George eine Steigerungsform braucht, wo es gar keine gibt. Frau ist jungfräulich oder sie ist es nicht, so will es unsere Weltsicht. Und dann ertappe ich mich bei einer Frage: Kann die Aufgabe der Jungfräulichkeit vielleicht doch ein gradueller Prozess sein? Ein Prozess, der sich über Tage, Wochen oder gar Jahre hinzieht? Ich meine: Jungfräulichkeit ist etwas höchst Paradoxes. Man kann sie von aussen nicht sehen, und doch ist sie für den sozialen Status eines jungen Mädchens entscheidend. Und sagt jetzt nicht, heute und im Westen sei das nicht mehr so. Im Gegenteil: Ich bin sicher, dass viele junge Mädchen heute kaum drauf warten können, ihren Freundinnen zu erzählen, dass sie (endlich) ihre Jungfräulichkeit losgeworden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man aber Sex nicht als Akt der Selbstbehauptung im jugendlichen Umfeld betrachtet, ist das erste Mal nur ein Schritt in einem langen Prozess: jenem der Entdeckung der eigenen Sexualität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
George ist da wahrscheinlich derselben Ansicht. Jedenfalls schwadroniert sie in ihrem 550-Seiter so eloquent übers Windsurfen, Vaterschaft und die grosse Trauer um den Ehepartner wie über verschiedene Erscheinungsformen der weiblichen Sexualität. Jungfräulichkeit in ihrer absoluten Form ist kein grosses Thema. Ziemlich lesenswert, finde ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Aus erster Pressung. Text von mir selber  dilettantisch übersetzt. Ich fange gar nicht erst an, mir vorzustellen, wie ein Profi sich müht, die Köstlichkeit dieser Stelle ins Deutsche mitzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.amazon.de/Doch-die-S%C3%BCnde-scharlachrot-Inspector-Lynley-Roman/dp/3764502428&quot;&gt;Elizabeth George&lt;/a&gt;: Careless in Red, Hodder, 2009.</description>
    <dc:creator>diefrogg</dc:creator>
    <dc:subject>vorm buechergestell</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 diefrogg</dc:rights>
    <dc:date>2009-04-20T16:43:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://froggblog.twoday.net/stories/5627830/">
    <title>Krimi in der Krise</title>
    <link>http://froggblog.twoday.net/stories/5627830/</link>
    <description>Neulich wachte ich um fünf Uhr morgens auf und konnte nicht mehr einschlafen. &quot;Na gut&quot;, sagte sich die Frogg, &quot;Dann arbeitest Du jetzt an Deinem &lt;a href=&quot;http://froggblog.twoday.net/stories/5347148/&quot;&gt;Krimi&lt;/a&gt; weiter. Vielleicht wäre es sowieso besser, wenn Du diese Arbeit auf den frühen Morgen  verlegen würdest.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So nahm ich das zweite Kapitel zur Hand, an dem ich gerade arbeite. Ich las es wieder einmal in seiner Gänze - und fand es unerträglich. Die Details erspare ich Euch. Vielleicht lag es ja nur daran, dass das Frogg&apos;sche Urteilsvermögen um fünf Uhr morgens noch nicht in Vollbetrieb ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wahrscheinlich habe ich Recht und das Ding ist einfach nur ein Riesenhaufen Mist.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sagte mir: &quot;Also gut. Ich vergesse dieses Geschreibe. Ich finde mich damit ab, dass ich doch nicht zur Schriftstellerin geboren bin. Statt dessen werde ich:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- den Frühling so richtig geniessen&lt;br /&gt;
- meine Türkisch-Kenntnisse für die Ferien im Mai aufpolieren&lt;br /&gt;
- wieder mehr bloggen&lt;br /&gt;
- noch ein paar dringende Anschaffungen machen, bevor die Wirtschaftskrise meine Ersparnisse vernichtet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühlte mich froh und erleichtert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis mir &lt;a href=&quot;http://froggblog.twoday.net/stories/5197173/&quot;&gt;Tree &lt;/a&gt; einfiel. Tree, der mir bei meinen Recherchen so viel geholfen hat. Ich habe ihn zum letzten Mal vor ein paar Wochen an einem Fest gesehen. Wir waren die Letzten, die noch in den Sofas hingen, vier fünf Leute, morgens um zwei oder drei. Irgendwie kamen wir auf Bücher zu reden, auf das, was wir so lesen und lesen möchten. Es gab eine kurze Pause, und plötzlich murmelte Tree, etwas betrunken wie wir alle: &quot;Frogg möchte ich endlich lesen! Ja, Frogg möchte ich lesen!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn mir ein Gedanke wirklich einfährt, dann denke ich Englisch. Nicht immer the Queen&apos;s English, aber so ist es nun mal. Als mir Tree in diesem Sofa einfiel, dachte ich: &quot;Oh God!&quot; und dann sagte ich halblaut: &quot;Fucking Hell!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute Morgen um 10 Uhr habe ich beschlossen, dem Ding noch eine Chance zu geben. Ich weiss nur noch nicht, wann. Und wie genau.</description>
    <dc:creator>diefrogg</dc:creator>
    <dc:subject>vorm buechergestell</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 diefrogg</dc:rights>
    <dc:date>2009-04-05T15:26:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://froggblog.twoday.net/stories/5598770/">
    <title>Anderson&apos;s &quot;Cityboy&quot;: Verriss</title>
    <link>http://froggblog.twoday.net/stories/5598770/</link>
    <description>&lt;img src=&quot;http://media.libri.de/shop/coverscans/775/7753969_7753969_big.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt;Bücher über die Finanzkrise boomen zur Zeit. Auch solche, die dem Phänomen literarisch beizukommen versuchen. Ich habe zur Zeit &lt;a href=&quot;http://www.welt.de/finanzen/article2375791/Investmentbanker-im-Sumpf-von-Sex-und-Drogen.html&quot;&gt;diesen Titel&lt;/a&gt; aus Grossbritannien auf dem Nachttisch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eben habe ich in dern Sonntagszeitung gelesen, dass das Buch nächste Woche auf Deutsch erscheint. Sofort entschloss ich mich, vor der Lektüre zu warnen. Nicht lesen sollten es all jene, die von einem Buch einen halbwegs differenzierten Einblick in die Tiefe der menschlichen Seele erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon der Untertitel hätte mich warnen müssen: &quot;Beer and Loathing in The Square Mile&quot; legt zwar Anlehnung an ein grosses Vorbild nahe: &lt;a href=&quot;http://en.wikipedia.org/wiki/Hunter_S._Thompson&quot;&gt;Fear and Loathing in Las Vegas&lt;/a&gt; stammt von Hunter S. Thompson und damit von einem literarischen Schwergewicht. Doch die Anspielung klingt wie eine alkoholselige Verballhornung, und genau diese Erwartung löst der Text auch ein. Geraint Anderson bleibt in seinem Sinnieren fast durchwegs dem Bier (wahlweise auch dem Koks) verhaftet. Er schildert seine Abstürze und die seiner Kollegen mit einer wenig erhellenden Mischung aus moralischer Empörung und pubertärem Stolz: &quot;Boahhh! Ihr glaubt nicht, wie voll ich war!&quot; könnte ein Zitat von Anderson sein. Keine literarisch wertvolle Aussage, wenn Ihr mich fragt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Überhaupt: Anderson&apos;s sprachliche Fähigkeiten bewegen sich auf der Skala irgendwo zwischen &quot;noch witzig&quot; und &quot;vollkommen banal&quot;. Es gibt darin Sätze, die ich auf den Mond schiessen könnte, so nichtssagend sind sie. Zum Beispiel (Cityboy über seinen Chef): &quot;I knew David was married and the fact he was willing to introduce me to his mistress made me feel part if his &apos; inner circle of trust&apos; and that made me feel good&apos;.&quot; (S. 27)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es könnte ja sein, dass Anderson will, dass seine Romanheld so spricht - weil er eben einer dieser Banker-Idioten ist und über sich und die Welt nichts Geistreicheres sagen kann. Aber ich kann mich des Verdachts nicht ganz erwehren: Anderson kann es nicht besser. Er schreibt bekanntlich hier seine eigene Geschichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Naja, vielleicht hat die Frogg zu viel erwartet, als sie sich von einem einstigen Analysten eine literarische Reise in die Abgründe der Banker-Seele versprach. Da sollte ich mich vielleicht doch an den Ex-Marketing-Mann &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Suter&quot;&gt;Martin Suter&lt;/a&gt; halten. Er hat die kleinen Eitelkeiten der Zürcher Business-Leute leichtfüssig und doch brilliant beschrieben. Aber eine halbwegs ernst zu nehmende  Erörterung der Frage, was die Banken der Welt in den Abgrund getrieben hat, sollte bei Anderson laut Vorbesprechungen eigentlich drinliegen, dachte sie. Bis jetzt: Fehlanzeige. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klar: Banker sind zynische Typen und geldgeil. Sie koksen und sie sind ach so versoffen! Haben wir es nicht schon lange gewusst? Klar: Männer unter sich machen gerne sexistischen Witzchen. Wer sich diesbezüglich weiterbilden möchte, wird im Buch übrigens gut bedient. Wahrscheinlich ist es nicht zuletzt deswegen ein Bestseller geworden. Und klar: das Banker- Business kennt zynische Überlebens-Regeln. Doch welches Business kennt die nicht? Das alles macht die Menschen in den schwarzen Anzügen zwar nicht sympathischer. Aber es erklärt nicht das Versagen des ganzen Systems. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht lässt es vor allem eine alarmierende Feststellung zu: Wenn Anderson derjenige mit dem menschlich besten Durchblick in dieser Zunft ist, dann Gnade uns Gott.</description>
    <dc:creator>diefrogg</dc:creator>
    <dc:subject>vorm buechergestell</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 diefrogg</dc:rights>
    <dc:date>2009-03-22T10:17:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://froggblog.twoday.net/stories/5579253/">
    <title>Zwei Fragen über die Liebe</title>
    <link>http://froggblog.twoday.net/stories/5579253/</link>
    <description>&lt;img src=&quot;http://www.exlibris.ch/images_buch/04/2659404.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
Endlich begreife ich auch, was mich an &lt;a href=&quot;http://froggblog.twoday.net/stories/5565722/main&quot;&gt;diesem Buch&lt;/a&gt; so begeistert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es stellt unüberhörbar und dringend zwei elementare Fragen über die Liebe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;1) Welche Ansprüche stelle ich an einen Partner, mit dem ich dauerhaft zusammen bleiben will?&lt;/b&gt; Oder anders gefragt: Was soll es sein, was uns beide zusammen hält? Muss er fähig zu einem so differenzierten emotionalen Austausch wie es Peter von Roten war? Oder genügt auch eine durch gemeinsame Erlebnisse errungene Stabilität der Gefühle?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;2) Worauf wäre ich zu verzichten bereit, um die Bindung mit einem geliebten Partner einzugehen?&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
- Wäre ich bereit, mich wegen meines Partners mit meiner Familie zu zerstreiten?&lt;br /&gt;
- Wäre ich bereit, mich mit jemandem einzulassen, der eine komplett andere Weltanschauung hat?&lt;br /&gt;
- Wäre ich bereit, dafür an den hinterletzten Ort zu ziehen?</description>
    <dc:creator>diefrogg</dc:creator>
    <dc:subject>vorm buechergestell</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 diefrogg</dc:rights>
    <dc:date>2009-03-13T09:50:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://froggblog.twoday.net/stories/5570916/">
    <title>Hütet Euch vor Haacker</title>
    <link>http://froggblog.twoday.net/stories/5570916/</link>
    <description>Er sieht ganz unscheinbar aus, dieser Christoph Haacker. Als könnte er kein Wässerchen trüben. Er sitzt hinter dem Stand seines Kleinverlags &lt;a href=&quot;http://www.arco-verlag.de/&quot;&gt;Arco&lt;/a&gt; und bewacht seine Bücher. Denkt man, wenn man so an der Messe &lt;a href=&quot;http://www.literaturfest.ch/index.php?start&quot;&gt;Luzern bucht&lt;/a&gt; unterwegs ist wie ich das letztes Jahr war. Was sollte er auch sonst tun? Alle machen das hier so. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber wehe man (oder frau) nähert sich Haackers Büchern und lässt seinen Blick aus Hördistanz über die Bände auf seinem Stand schweifen. Dann enthüllt Haacker seine wahre Natur: Er löst sich von seinem Stuhl. Er spricht. Er wird zum Verkäufer. Zu einem hervorragenden Verkäufer. Zum Verführer. Er lässt die Kundin sofort durchschauen, dass er nichts anderes will als ihr etwas verkaufen. Unbedingt. Das ist sein Job. So ist das Leben, machen wir uns einen gepflegten, feinen Spass draus, sagen seine Mundwinkel, derweil er spricht! Und so wird die Kundin nicht gehen, bevor sie ein Buch erstanden hat, einfach weil sie sein Spiel mag. Er muss seine Verkäuferlehre bei einem &lt;a href=&quot;http://froggblog.twoday.net/stories/5094144/&quot;&gt;Türken&lt;/a&gt; gemacht haben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://www.arco-verlag.de/pflicht-s2B.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt; Mir hat er letztes Jahr Ludwig Winders &quot;Die Pflicht&quot; aufgeschwatzt. Er machte mich glauben, es sei ein Krimi. Ist es nicht. Es ist die Geschichte eines Widerstandskämpfers im Prag des Zweiten Weltkriegs. Präzis in der Sprache, karg, parabelhaft beinah. Es war nicht das begeisterndste Buch, das ich letztes Jahr gelesen habe. Aber es vermittelte mir ein paar höchst bedenkenswerte Einsichten über den Geist des tschechischen Widerstands. Über die Situation eines kleinen Landes in der Nähe des Tausenjährigen Reiches.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Nehmen Sie es nach Hause und lesen Sie es! Wenn es Ihnen nicht gefällt, nehme ich es wieder zurück!&quot; hatte er mir nachgerufen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ja, ich bin ja nicht der Typ, der bei so etwas die Probe aufs Exempel macht!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Und sonst kommen Sie nächstes Jahr und sagen Sie mir, wie es Ihnen gefallen hat&quot; hatte er auch gesagt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das tat ich am Wochenende, als wieder &quot;Luzern bucht&quot; war. Dann kaufte ich ihm ohne lange zu verhandeln Vladimir Körners &quot;Adelheid&quot;ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Aber seien Sie gewarnt! Es ist todtraurig!&quot; rief er mir noch nach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://www.perlentaucher.de/grafik/cover/9/21209.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst draussen wurde mir klar: Ich hatte es ihm diesmal viel zu leicht gemacht.</description>
    <dc:creator>diefrogg</dc:creator>
    <dc:subject>vorm buechergestell</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 diefrogg</dc:rights>
    <dc:date>2009-03-09T20:33:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://froggblog.twoday.net/stories/5565722/">
    <title>Packende Liebesgeschichte</title>
    <link>http://froggblog.twoday.net/stories/5565722/</link>
    <description>&lt;img src=&quot;http://www.exlibris.ch/images_buch/04/2659404.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.perlentaucher.de/buch/27141.html&quot;&gt;Das Buch&lt;/a&gt; ist bald zwei Jahre alt. Ausserdem dürfte es eher Schweizer Leser interessieren. Dennoch kann ich es nicht lassen, hier darüber zu schreiben. Denn ich finde es gerade unglaublich packend. Es schwebt in meiner Gunst ohne &lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/online/2009/03/kehlmann-ruhm-contra&quot;&gt;Ruhm&lt;/a&gt; über &lt;a href=&quot;http://www.kleinezeitung.at/kaernten/klagenfurt/klagenfurt/1831543/index.do&quot;&gt;allen sieben Wellen&lt;/a&gt; und sämtlichen &lt;a href=&quot;http://www.welt.de/kultur/article1678008/Charlotte_Roche_verirrt_sich_im_Feuchtgebiet.html?nr=1&amp;pbpnr=0&quot;&gt;Feuchtgebieten&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich stehe auf Seite 272, und bislang hat es mir viel von &lt;a href=&quot;http://www.wikiwallis.ch/index.php/Peter_von_Roten&quot;&gt;Peter von Roten&lt;/a&gt; erzählt, einem Mann voller Widersprüche: Er stammt aus einer katholisch-konservativen Walliser Aristokratenfamilie. Aber er ist auch Armeegegner und hat linke Tendenzen - und das  während des Zweiten Weltkrieges! Er ist auf eine Art verklemmt wie es vielleicht nur unsere Schweizer Väter sein konnten. Doch während die meist schwiegen, gelingt es Peter, seine Dilemmas und Unsicherheiten so eindringlich in Worte zu fassen, dass es zuweilen richtig weh tut, immer aber fesselt. Er tut es in den 40er-Jahren in Briefen an Iris Meyer, die später seine Frau wird. Einige Briefe sind in langen Strecken wörtlich zitiert. Und wo Peter nicht selber zu Wort kommt, füllt Autor Wilfried Meichtry mit gut informierter Intuition die Lücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun ist &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Iris_von_Roten&quot;&gt;Iris von Roten-Meyer&lt;/a&gt; auch nicht niemand: In den fünfziger Jahren schrieb sie ein heftig umstrittenes Standardwerk des Schweizer Feminismus. Auch ihre Briefe beeindrucken durch eine aussergewöhnlich hoch entwickelte Fähigkeit, ihr Empfindungen in Worte zu fassen. Sie war zudem alles, was ihr späterer Ehemann nicht war: urban, ehrgeizig, auch nach aussen unkonventionell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass die beiden in ihren Briefen zunächst unaufhörlich streiten, liegt nicht nur in der Verschiedenheit der beiden begründet. Vor allem er sträubt sich zunächst ungeheuer gegen die Anziehungskraft, die sie auf ihn ausübt. Manchmal ist er ein solcher Umstandskrämer und dabei so witzig, dass man gleichzeitig lachen und ihn schütteln will. So wird die Annäherung der beiden vielleicht zum kompliziertesten breiflich dokumentierten Liebeswerben der Weltgeschichte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt warte ich darauf, dass Meichtry mir noch mehr über Iris erzählt. Denn sie interessiert mich mehr als die noble Familie von Roten, der Meichtry (zu) viel Raum gibt. Streckenweise erliegt er leider der Versuchung, sich zu ihrem Familienhistoriker zu machen und wirkt dann provinziell. Ich verstehe zum Beispiel nicht, was das Kapitel über Peters Rilke-Recherchen  (ein Gerücht besagt, dass Rilke unehelicher Sohn eines von Roten war) mit der Geschichte des Liebespaars Peter und Iris zu tun hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seiner Herangehensweise liegt Meichtry übrigens quer zum aktuellen öffentlichen Bewusstsein: Wer Peter von Roten googelt, findet zu ihm fast nur noch Zugang bei Einträgen über seine Frau. Das ist aussergewöhnlich. Normalerweise verschwinden ja auch starke Frauen in der Geschichtsschreibung  hinter ihren Ehemännern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, dass er Iris bald der gleichen gründlichen und verständigen Analyse unterziehen wird wie Peter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilfried Meichtry: Verliebte Feinde - Iris und Peter von Roten, Ammann Verlag, Zürich 2007</description>
    <dc:creator>diefrogg</dc:creator>
    <dc:subject>vorm buechergestell</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 diefrogg</dc:rights>
    <dc:date>2009-03-07T11:39:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://froggblog.twoday.net/stories/5367492/">
    <title>Buch der zornigen Frauen</title>
    <link>http://froggblog.twoday.net/stories/5367492/</link>
    <description>&lt;img src=&quot;http://www.borro.de/kno_bilder/LARGE/176/17641066L.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt; Falls jemand ein Weihnachtsgeschenk für eine intelligente Frau sucht, die gerne liest: Schenkt ihr &lt;a href=&quot;http://www.titel-magazin.de/modules.php?op=modload&amp;name=News&amp;file=article&amp;sid=5910&quot;&gt;Bastard von Istanbul&lt;/a&gt; von Elif Shafak. Das ist ein kluges, gewagtes, spannendes und sehr komisches Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Buch hat zwei zornige, junge Frauen als Hauptfiguren: Asya (19) aus Istanbul und Armanoush (21) aus Arizona.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Asya lebt mit ihren vielen Tantchen und Grossmüttern in einem Haus in Istanbul. In einem Haus ohne Männer. In einem Haus, das keine Geschichte zu haben scheint. Keine Geschichte haben will. Asya kennt nicht einmal ihren Vater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Leben von Armanoush dagegen ist Geschichte der prägende Faktor: Ihre Grossmutter ist eine Überlebende des &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord_an_den_Armeniern&quot;&gt;Völkermordes an den Armeniern&lt;/a&gt;. Das Geschehen von anno dazumal kann niemand in ihrer Familie vergessen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat Armanoush gelernt, die Türken zu hassen. Doch dann beschliesst sie, in Istanbul das Haus ihrer Ahnen zu suchen - und landet bei Asya und ihrer Familie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon früh ist klar: Die Familien von Armanoush sind tief verbunden, und der Schluss des Romans wird nichts weiter tun als diese Vergangenheit zu enthüllen. Man bräuchte also nur den Schluss zu lesen. Und doch lohnt sich die Lektüre des ganzen Buches. Weil Shafak alle Register zieht, um skurrile und liebenswerte Charaktere und ein ironisch-liebevolles Porträt der Stadt Istanbul zu zeichnen: Mal liest sich das Buch wie eine bitterböse Satire, mal wie ein entsetzlich trauriges Märchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und der Schluss ist schockierender als man es sich ausgemalt hat.</description>
    <dc:creator>diefrogg</dc:creator>
    <dc:subject>vorm buechergestell</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 diefrogg</dc:rights>
    <dc:date>2008-12-05T09:52:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://froggblog.twoday.net/stories/5253867/">
    <title>Sex ist gefährlich</title>
    <link>http://froggblog.twoday.net/stories/5253867/</link>
    <description>Kennt Ihr den Slogan &quot;weil ich es mir wert bin?&quot; Klar kennt Ihr ihn. Schliesslich gibt es da eine Kosmetikfirma, die ihn uns so penetrant aufs Auge drückt, dass wir schon bald keinen Lidschatten mehr in die Hände nehmen können, ohne dabei unsere Locken zu schlenkern und zu hauchen: &quot;Weil ich es mir wert bin...&quot; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe den Slogan nie gemocht. Er ist sooo 90-er Jahre. Klingt so penetrant therapeutisch. So verdammt nach Frauen, die sich nach einem langen Nachmittag beim Shoppen voller Selbstmitleid (naja, shoppen ist wirklich nicht einach...) in den Spiegel schauen und sich zuhauchen: &quot;Ach, ich bin ja so müüüüde! Ich muss mir jetzt etwas gutes tun!&quot; Die genüsslich etwas zu viel von ihrem funkelneuen Wangenrouge auflegen. Und dann frisch gestärkt an die nächste Party sausen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch lassen wir das, denn das wollt Ihr gar nicht wissen. Ihr wollt jetzt wissen, was dieser blöde Slogan mit Sex zu tun hat. Mit gefährlichem Sex.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um es gleich klar und deutlich zu sagen: Er hat  nichts mit Sex zu tun. Schon gar nichts mit gefährlichem Sex. Und genau das ist das Gute an dem Slogan. Jedenfalls glaubt das die Firma, die ihre Produkte mit ihm verkauft. Steht  in dem Buch, das ich gerade lese. Es heisst &lt;a href=&quot;http://www.randomhouse.de/webarticle/webarticle.jsp?aid=8911&quot;&gt;The Culture Code&lt;/a&gt; und ist von einem Franko-Amerikaner namens Clotaire Rapaille.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img src=&quot;http://www.pmalitfilm.com/images/bookcovers/ccode.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt; Rapaille ist von Haus aus Psychologe. Er arbeitet aber für die Marketing-Abteilungen zahlreicher globaler Firmen. Seine These: Lernen ist mit Emotionen verbunden. Und: Was wir als Kleinkinder lernen, prägt unsere Wahrnehmung der Welt lebenslänglich. Mit seinen Befragungen drang er tief in die nur halb bewussten Erinnerungsschichten der Befragten und fand so heraus, was sie seit ihrer frühesten Kindheit mit Kaffee verbinden. Oder mit Jeeps. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die &quot;Weil ich es mir wert bin&quot;-Kosmetikfirma sollte er offenbar Schminke verkaufen. &quot;Schminke?&quot; sagte er sich. &quot;Das hat doch etwas mit Verführung zu tun. Mit Sex.&quot; Also ging er hin und fragte die Menschen, die die Produkte der Firma kaufen sollten, was sie mit Sex verbinden. Er befragte Amerikanerinnen und Französinnen und er fand etwas Irritierendes heraus: Amerikaner fühlen sich nicht wohl mit dem Thema Verführung. Sie verwechseln Verführung mit Manipulation. Und, noch krasser: Für Amerikaner hat Sex a priori mit Gewalt zu tun. Für Amerikaner sind Sex und Verführung beunruhigende, ja verstörende Themen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also entschloss sich die &quot;weil ich es mir wert bin&quot;-Firma, das Thema Sex in der amerikanischen Make up-Werbung gar nicht erst aufs Tapet zu bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders in Frankreich. Weil die französischen Konsumentinnen eine andere Einstellung zur Sexualität haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tja, und was sollen wir deutschsprachigen Frauen daraus schliessen, dass wir am Fernsehen die amerikanischen Werbespots besagter Kosmetikfirma vorgesetzt bekommen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sagt uns Herr Rapaille leider nicht. Dennoch: Das Buch ist ziemlich lesenswert. Auch wenn ich zu bezweifeln wage, dass seine Theorie über kulturelle Unterschiede in den heutigen Multi-Kulti-Gesellschaft (die medial so stark von den USA geprägt ist) wirklich funktioniert.</description>
    <dc:creator>diefrogg</dc:creator>
    <dc:subject>vorm buechergestell</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 diefrogg</dc:rights>
    <dc:date>2008-10-13T20:35:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://froggblog.twoday.net/stories/5204313/">
    <title>Phantastischer Roman</title>
    <link>http://froggblog.twoday.net/stories/5204313/</link>
    <description>&lt;img src=&quot;http://www.churchtimes.co.uk/uploads/images/Reading%20Groups_Arthur%20and%20George%231%23.jpg&quot; alt=&quot;&quot; width=&quot;20%&quot; /&gt; Die Frogg verschlingt gerade den besten Roman, der ihr dieses Jahr zwischen die Finger gekommen ist &lt;a href=&quot;http://www.perlentaucher.de/buch/26602.html&quot;&gt;Arthur &amp; George&lt;/a&gt; von Julian Barnes. Deshalb mein langes Schweigen hier, für das ich um Verständnis bitte. Glücklicherweise ist der Schinken 505 Seiten fett, so dass ich auch morgen noch einen Rest habe, den ich mir einverleiben kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich sage, &quot;Arthur &amp; George&quot; sei ein phantastischer Roman, so will ich damit lediglich meine Begeisterung für das Buch zum Ausdruck bringen. Ich will nicht etwa glauben machen, es kämen darin weisse Einhörner, Hexen mit eisigen Herzen oder boshafte Zwerge vor. Nein. Das Buch erzählt von zwei Personen, die tatsächlich existiert haben: von &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/George_Edalji&quot;&gt;George Edalji&lt;/a&gt; und &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Conan_Doyle&quot;&gt;Arthur Conan Doyle&lt;/a&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Barnes erfindet die Geschichte der beiden von Kindsbeinen an neu. Er bleibt dabei nahe bei der Realität und schreibt doch Fiktion im besten Sinne. Er lässt die Leser in die Haut der beiden schlüpfen. Bis sie selber für ein paar Stunden in Arthur Conan Doyle&apos;s kompliziertem Ehedreieck stecken - oder mit George Edalji im Gefängnis hocken. Edalji, der indischer Herkunft ist, wird nämlich angeklagt, Pferde verstümmelt zu haben - ein Justizirrtum aus Rassismus. Mit wie viel selbstauferlegter Gleichmut Edalji sein Schicksal meistert, zeigt Barnes mitfühlend und analytisch zugleich. Wie bigott, selbstgerecht und doch auch hübsch ländlich die Gesellschaft in seinem Great Wyreley ist, schildert er meisterhaft und mit einer  Prise subtiler Ironie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauert etwa 300 Seiten, bis sich die beiden Helden des Buches zum ersten Mal begegnen und die Charakterstudie, das Sittengemälde, zum Krimi wird. Und doch möchte man keine Seite bis zu dieser Stelle missen. Zu dem Treffen kommt es schliesslich, als George sich mit einem Bittbrief an den Erfinder von Sherlock Holmes wendet. Doyle, soeben Witwer geworden und auf der verzweifelten Suche nach einem Fluchtweg aus seiner inneren Leere, kommt der Bitte nach. Er beginnt einen erbitterten Kampf gegen die Englische Gerichtbarkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den führt er in meiner Lektüre immer noch. Deshalb, sorry, Freunde: Ich muss weiter lesen.</description>
    <dc:creator>diefrogg</dc:creator>
    <dc:subject>vorm buechergestell</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 diefrogg</dc:rights>
    <dc:date>2008-09-20T15:13:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://froggblog.twoday.net/stories/5186628/">
    <title>Schwacher Gerritsen-Krimi</title>
    <link>http://froggblog.twoday.net/stories/5186628/</link>
    <description>&lt;img src=&quot;http://bilder.buecher.de/produkte/23/23800/23800910n.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt; Neulich habe ich gesehen, dass spiegel.de auffallend grosse Werbung für &lt;a href=&quot;http://www.tess-gerritsen.de/buecher_weitere.php#leichenraub&quot;&gt;Leichenraub&lt;/a&gt; macht, den neuen Krimi von Tess Gerritsen. Tatsächlich ist der Name Gerritsen Garantie für Krimiliteratur, die mit Sachkenntnis über Pathologie zu packen weiss. Und ihre Plots erreichen jeweils vor lauter Rasanz fast schon Überschallgeschwindigkeit. &quot;Leichenraub&quot; aber bietet plotmässig wenig als nervöses Gehetze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Empfehlen kann ich höchstens die Lektüre der ersten 40 bis 50 Seiten. Auf ihnen nimmt sich Gerritsen  einer Frage an, an dem sich schon zahllose werdende Mütter mehr oder weniger wohlig gegruselt haben mögen: Wie kamen Babies zur Welt, als die moderne Medizin noch in den Kinderschuhen steckte? Ohne Fachlatein, aber kundig und hoch emotional schildert Gerritsen, was das &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Kindbettfieber&quot;&gt;Kindbettfieber&lt;/a&gt; in einem Bostoner Spital des frühen 19. Jahrhunderts anrichtet (nichts für zarte Gemüter).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Haupthandlung des Buches aber ist in der Gegenwart angelegt: Die Heldin findet im Garten ihres neuen Hauses ein Skelett. Irgendwie stehen die Knochen  im Zusammenhang mit den Geschehnissen rund um zwei Ärzte in der Vergangenheit. Sie haben herausgefunden, wie man das grassierende Kindbettfieber aus den Spitälern vertreiben könnte: mit mehr Hygiene. Eine Idee, die die amtierenden Oberärzte erst lächerlich, dann zusehends bedrohlich finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine an sich spannende Ausgangslage. Doch je länger die Lektüre dauert, desto mehr zerfallen der Plot der Gegenwart und jener der Vergangenheit. Gerritsen zieht noch die unplausibelsten Entwicklungen an den Haaren herbei, um etwas Spannung zu erzeugen. Heldin wird ein Mädchen aus der Unterschicht, das schliesslich ganz nach oben heiratet - eine höchst unwahrscheinliche Entwicklung, was Gerritsen aber nicht zu merken scheint. Und die moderne Heldin reift an ihrem Beispiel durchaus. Aber nicht so, wie sie es laut Madame Frogg sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es kann nicht gut bestellt sein um das Sortiment des Limes Verlags, wenn er mit diesem Buch eine so kostspielige Werbekampagne bestreitet!</description>
    <dc:creator>diefrogg</dc:creator>
    <dc:subject>vorm buechergestell</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 diefrogg</dc:rights>
    <dc:date>2008-09-12T11:49:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://froggblog.twoday.net/stories/4921637/">
    <title>Mäkeln über einen Helden</title>
    <link>http://froggblog.twoday.net/stories/4921637/</link>
    <description>&lt;img src=&quot;http://media.libri.de/shop/coverscans/231/2315828_BZ1211161_big.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt; Fröschinnen sollten über einen Helden wie Orhan Pamuk nicht mäkeln. Seine Bücher sind wirklich aussergwöhnlich. Hobbyautorin Frogg jedenfalls mutet es an wie ein Wunder, dass ein Roman wie &lt;a href=&quot;http://www.perlentaucher.de/buch/7548.html&quot;&gt;Rot ist mein Name&lt;/a&gt;  überhaupt geschrieben werden konnte: Er ist ja so ausgeklügelt konstruiert mit seinen ständig wechselnden Ich-Erzählern. Er jongliert ja so gekonnt mit so vielen verschiedenen Genres: Mal ist er ein philosophisches Traktat über den Islam und seine Kunst, mal ein Liebesroman wie ein Märchen aus 1001 Nacht und dazu auch noch ein Krimi. Und er ist er ein mutiges Buch, weil hoch politisch: Pamuk schildert, wie die Buchmaler Istanbuls 1591 unter dem Druck der westlichen Renaissance-Malerei in Panik geraten. Dass die Leser da an die aktuelle Weltlage erinnert werden, ist sicher beabsichtigt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bestimmt ist es richtig, dass Pamuk dafür (und für &lt;a href=&quot;http://www.perlentaucher.de/buch/20147.html&quot;&gt;Schnee&lt;/a&gt;) den Nobelpreis bekommen hat. Allerdings dürfen wir uns nicht wundern, dass das für konservative Kreise in der Türkei eine Provokation war. Schliesslich ist es dort immer noch verboten, das &quot;Türkentum&quot; zu beleidigen (was immer das heissen mag). Zwar ist der Paragraf kürzlich ein wenig &lt;a href=&quot;http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?cnt=1327940&quot;&gt;gelockert worden&lt;/a&gt;. Aber was bedeutet das wirklich? Da masse ich mir im Moment lieber kein Urteil an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe auch nicht vor, über Pamuk und die Politik zu mäkeln. Ich mäkle hier nur über Pamuk, weil ich seinen Stil zuweilen emüdend finde. Weil ein Onkel in diesem Buch stets ein &quot;Oheim&quot; ist, weil &quot;vom Geiste&quot; und nicht &quot;vom Geist&quot; die Rede ist, weil die Sätze stets lang, verschachtelt und gepflegt sind. Weil im Buch zwar an die 20 verschiedene Erzähler auftreten: Männer, Frauen, ein Kind, ein Toter gar und auch eine gemalte Münze. Weil sie aber immer exakt genau dieselbe Sprache sprechen. Immer (naja, fast immer) ertrinkt da jeder Ansatz von Humor, jede Theatralik in diesem hohen, gespreizten Stil. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Aber das ist doch genau richtig so!&quot;, sagen jetzt die Kenner unter Euch. &quot;Pamuk zeigt damit, wie die Figuren in diesem Buch denken, wer sie sind: dass sie eben denken wie Menschen aus dem Spätmittelalter. Dass sie keine Individuen im modernen, westlichen Sinne sind. Genau deshalb ist dieser Roman genial: Weil er im Stil wiedergibt, was er uns inhaltlich sagen will.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, kann schon sein...! Nur: Anstrengend finde ich das trotzdem!</description>
    <dc:creator>diefrogg</dc:creator>
    <dc:subject>vorm buechergestell</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 diefrogg</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-12T11:46:00Z</dc:date>
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    <title>Die Wohlgesinnten 3</title>
    <link>http://froggblog.twoday.net/stories/4845500/</link>
    <description>Nachdem ich meine &lt;a href=&quot;http://froggblog.twoday.net/stories/4840623/main&quot;&gt;Skrupel&lt;/a&gt; überwunden habe, beginne ich einige Stellen im Buch zu mögen. Ich habe den Eindruck, dass Littell darin eine Grundaussage verfolgt: Wenn Menschen (Männer?) sich zusammentun, um Geschäfte zu erledigen, dann entwickeln sie immer dieselben Verhaltensmuster. Egal, ob sie Aktien verkaufen, Computerprogramme herstellen oder Tausende von Menschen töten. Der Ton der Diskussionen im Buch erinnert teils verblüffend an Gespräche, die ich in Betrieben gehört habe: in Betrieben, wo Männer unter sich sind und ständig ihren Status und ihre Tatkraft unter Beweis stellen müssen. Ob Littell für diesen Effekt Anachronismen bewusst in Kauf nimmt, weiss ich nicht (&lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/2008/08/L-Littell-Welzer&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; werden sie beschrieben).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gelegentlich erzeugt Littell in diesen Passagen eine Wirkung, die absurder Komik nicht unähnlich ist. Etwa, wenn Aue und sein Freund Thomas gerade von einer grossen Schlächterei in der Ukraine kommen und den Geburtstag von Aue in einem netten Restaurant feiern. Dort diskutieren die beiden dann höchst sachlich über Sinn und Unsinn ihrer Arbeit (S. 202). Aue äussert durchaus leise Kritik an der Judenvernichtung. Sie sei &quot;ohne wirtschaftlichen und politischen Nutzen&quot; und &quot;in praktischer Hinsicht ohne Sinn und Zweck&quot;. Aber da gibt es keine Äusserung des Entsetzens oder der Verzweiflung, nur Sachlichkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oder auf den Seiten 300 bis 400 des Buches. Aue sitzt gerade im Kaukasus und bekommt etwas weniger Gräueltaten mit. Dafür verwickelt sich die SS in einen Machtkampf mit der Wehrmacht (Machtkämpfe - auch sie ein typisches Phänomen in den Abteilungen von Grossbetrieben).  Der Streit wird über die Frage ausgetragen, ob die kaukasischen Bergjudenstämme von der Judenvernichtung ausgenommen werden sollen - zumal sie von strategischem  Nutzen sein könnten (die Meinung der Wehrmacht). Oder ob sie eben doch gefährlich werden könnten (die Meinung der SS - wobei man den Eindruck nicht loswird, dass die SS in der Frage einfach ein Exempel statuieren will). Schliesslich wird eine Konferenz über die Frage abgehalten, in der eingehend und mit den lächerlichsten Argumenten über die Frage diskutiert wird. &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Monty_Python&quot;&gt;Monty Python&lt;/a&gt; könnten aus dem Stoff einen ihrer zynischen Sketches machen. Leider ist Littell nicht Monty Python: Er wälzt den Stoff so sehr in die Breite, dass auch dem interessiertesten Leser das Gesicht einschläft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Aue wird die Affäre mit den Bergjuden übrigens zum Karriere-Stolperstein: Er wird Opfer einer Intrige und muss nach Stalingrad.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bekomme unterdessen Sehnsucht danach, eine feministische Utopie zu lesen.</description>
    <dc:creator>diefrogg</dc:creator>
    <dc:subject>vorm buechergestell</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 diefrogg</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-07T18:59:00Z</dc:date>
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