7
Feb
2008

Krimi oder Blog?

Dank meinem Urlaub, das wusste ich schon letzte Woche, würde ich endlich Zeit zum Schreiben haben. Aber was sollte ich schreiben? Sollte ich endlich an meinem Krimi weiterbasteln? Oder sollte ich an meinen Blog-Projekten arbeiten? Ich fühlte mich hin- und hergerissen wie Susan Mayer aus "Desperate Housewives" zwischen ihren zwei Ehemännern in spe: Hier Mike, der geheimnisumwitterte Klempner mit den einschlägigen Vorstrafen, den sie schon lange liebt. Dort Ian der kluge, witzige und steinreiche Verleger, der sich irgendwie in ihr Leben gedrängt hat.
Hier der Krimi, an dem ich seit anderthalb Jahren nage. Wobei mich immer wieder Hörstürze und Arztbesuche von der Arbeit abgehalten haben. Im Grunde ein hoffnungsloses Projekt, sagt Buchautor T. Ich wäre nie fleissig genug, ein Buch zu schreiben, sagt er.
Da meine Blogs, auf die ich ganz süchtig bin. Aber ehrlich: Kann einen so etwas wie bloggen drei Monate lang ausfüllen? „Nur bloggen?“ sagte Herr T. neulich „Da würdest Du Deinen wertvollen Urlaub aber sehr ineffizient nutzen!“
Und er hat recht. Und doch…
Nun ja. Am letzten Freitag hatte ich dann endlich die Inspiration, die ich brauchte: Beim Aufstehen nach dem Mittagsschläfchen vor meiner letzten Spätschicht sah ich das Wauwilermoos vor mir. Eine Landschaft so flach und melancholisch wie der Boden einer alten Bratpfanne. Eine Landschaft, deren Geschichte in meinem Krimi eine zentrale Rolle spielt. Und ich wusste: Ich will dorthin zurück.
Deshalb mache ich jetzt gerade beides: Ich arbeite an meinen Blogprojekten und meinem Krimi.

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http://froggblog.twoday.net/stories/4685632/modTrackback

seifenblasenpusterin - 7. Feb, 12:57

"melancholisch wie der Boden einer alten Bratpfanne" - was für ein bild! echt großartig =)

trox - 8. Feb, 00:35

Fleiss...

...liebe Frogg, ist glaube ich, nicht das wichtigste Ingredienz zu einem Buch. Wie du weisst, hab auch ich eins geschrieben, ein weiteres editiert, und so fort. Was man so tut, wenn sich schriftlich auszudrücken sowas wie zur Selbstdarstellung gehört -- eine durchaus andere Situation, als wenn etwas schriftlich ausdrücken Job ist.

Been there, done that, got that T-shirt -- aber Fleiss war's in der Tat am allerwenigsten. Wohl wahr ist, dass es nur 10 % Inspiration, 'inspiration' ist. Die restlichen 90 % aber sind 'transpiration'. Und das hat mit Fleiss verdammt wenig zu tun. Vielmehr mit Maloche. So wie 'ne saubere Wohnung nicht vom Fleiss sauber wird, sondern vom immer wieder putzen. Für mich ist das mit dem Buch-schreiben ähnlich wie mit dem putzen. Drum krieg ich's auch nur hin, wenn muss.

Das Bloggen dagegen ist so ein bisschen wie einen frischen Blumenstrauss auf den Tisch stellen -- es macht die Wohnung nicht sauberer, das Buch nicht geschriebener. Aber es ist hier und jetzt hübsch anzusehn. Und es gibt das Vertrauen: wenn dermaleinst geputzt und das Buch geschrieben ist, dann sieht sie, dass es gut war.

Succes!

diefrogg - 8. Feb, 14:32

"Fleissig sein"...

und "einfach malochen" ist für mich eigentlich ein- und dasselbe. Auch Herr T. macht da aber offenbar einen Unterschied. Den ich aber vielleicht wirklich erst verstehen werde, wenn ich das Buch geschrieben habe. Obwohl ich eigentlich weiss, wie man putzt ;) Trotzdem: Herzlichen Dank für Deine Nachricht, die ich als wirklich schöne Ermutigung verstehe, einfach mal draufloszumalochen! Und im Zweifelsfall werde ich mich Deines "Just Do It"-T-Shirts erinnern ;)

syro0 - 8. Feb, 17:53

man kann auch ein buch schreiben, indem man jeden morgen anderthalb stunden dafür aufwendet, was in dem sinne nicht mehr als "malochen" bezeichnet werden kann. der hauptfaktor ist in meinen augen die konstante hinwendung zum text, sei's durch konkrete schreibarbeit (wichtig!) oder durch geistige vorarbeit (struktur, szenen oder verbale details im kopf ausarbeiten). so kann man ohne weiteres 1000-1500 wörter am tag schreiben (je nach verfassung), und gemeinsam mit den überarbeitungsvorgängen schaut da in einem halben jahr ein text von angemessener länge heraus.
voraussetzung für solch disziplinierte arbeit (nahe genug am begriff "fleiß", finde ich) ist es natürlich, sein handwerk zu beherrschen, aber davon muß man ohnehin in jedem beruf ausgehen.

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