Immer weniger
Mir scheint: Je mehr ich über meinen Krimi weiss, desto weniger weiss ich über ihn.
Deshalb mache ich hier schon wieder für ein paar Tage den Laden dicht: Ich arbeite noch ein bisschen am Krimi, dann mache ich ein Reisli nach Bern, und dann packe ich: Über Ostern fahren wir einer alten Tradition gemäss nach Arosio im Tessin.
Hoffentlich wird es nicht so wie am Karsamstag, 10. April 2004:
«Cinque gradi!» ruft ein alter Tessiner am Paradiso-Quai in Lugano einem anderen zu. Er blickt in den verhangenen Himmel und lacht, weil er es einfach nicht glauben kann: fünf Grad nur, eine Saukälte, und das im April. Der andere lacht nicht. Er geht hinunter zu seinen Booten am Quai und leert Regenwasser aus den Plachen, mit denen sie abgedeckt sind. Er macht ein Gesicht, als müsse er gleich eine davon leertrinken. Das Wetter hat ihm das Geschäft versaut. Der Osterstau am Gotthard hat zwar 30 Stunden gedauert. Alle, die dort waren, sind jetzt hier. Aber wer will schon Böötli fahren bei so einem Wetter. Oder in der Gartenbeiz sitzen. Oben in Arosio liegt Schnee, hier liegen die Kamelienblüten um ihre Sträucher verteilt im Gras, erfroren.
Herr T. und ich gehen hinüber zum Platz mit den vielen Banken und Restaurants. Hier hängen sie herum, die Touristen in ihren Wintermänteln. Gelangweilt, grau. Doch plötzlich gerät die Sonne in die blaue Lücke zwischen zwei Wolkenbanken und strahlt. Und schon passiert es: Reflexartig eilen Scharen von Touristen zu den Beizentischen, setzen sich hin und halten die Gesichter gen Himmel als wäre der Frühling jetzt wirklich da. Nur Philemon bleibt in der Mitte des Platzes stehen, streckt ihre eiskalten Hände der Sonne entgegen und schreit: «Cinque gradi!»
Erst später, auf dem Nachhauseweg, stellt sie fest, dass sie wieder Halsweh hat. Da bekommt sie einen Tobsuchtsanfall und will flüchten. Aber heute fährt kein Postauto mehr. Sie ist nicht die einzige mit Koller. Im Albergo hört sie auf dem Korridor eine Frau auf Berndeutsch jammern: «Jetzt könnte dieses Sauwetter dann einmal aufhören! E ma nümm!»
Deshalb mache ich hier schon wieder für ein paar Tage den Laden dicht: Ich arbeite noch ein bisschen am Krimi, dann mache ich ein Reisli nach Bern, und dann packe ich: Über Ostern fahren wir einer alten Tradition gemäss nach Arosio im Tessin.
Hoffentlich wird es nicht so wie am Karsamstag, 10. April 2004:
«Cinque gradi!» ruft ein alter Tessiner am Paradiso-Quai in Lugano einem anderen zu. Er blickt in den verhangenen Himmel und lacht, weil er es einfach nicht glauben kann: fünf Grad nur, eine Saukälte, und das im April. Der andere lacht nicht. Er geht hinunter zu seinen Booten am Quai und leert Regenwasser aus den Plachen, mit denen sie abgedeckt sind. Er macht ein Gesicht, als müsse er gleich eine davon leertrinken. Das Wetter hat ihm das Geschäft versaut. Der Osterstau am Gotthard hat zwar 30 Stunden gedauert. Alle, die dort waren, sind jetzt hier. Aber wer will schon Böötli fahren bei so einem Wetter. Oder in der Gartenbeiz sitzen. Oben in Arosio liegt Schnee, hier liegen die Kamelienblüten um ihre Sträucher verteilt im Gras, erfroren.
Herr T. und ich gehen hinüber zum Platz mit den vielen Banken und Restaurants. Hier hängen sie herum, die Touristen in ihren Wintermänteln. Gelangweilt, grau. Doch plötzlich gerät die Sonne in die blaue Lücke zwischen zwei Wolkenbanken und strahlt. Und schon passiert es: Reflexartig eilen Scharen von Touristen zu den Beizentischen, setzen sich hin und halten die Gesichter gen Himmel als wäre der Frühling jetzt wirklich da. Nur Philemon bleibt in der Mitte des Platzes stehen, streckt ihre eiskalten Hände der Sonne entgegen und schreit: «Cinque gradi!»
Erst später, auf dem Nachhauseweg, stellt sie fest, dass sie wieder Halsweh hat. Da bekommt sie einen Tobsuchtsanfall und will flüchten. Aber heute fährt kein Postauto mehr. Sie ist nicht die einzige mit Koller. Im Albergo hört sie auf dem Korridor eine Frau auf Berndeutsch jammern: «Jetzt könnte dieses Sauwetter dann einmal aufhören! E ma nümm!»
diefrogg - 20. Mrz, 10:06
4 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
